Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 53 (1897)
- Issue
- Heft 8
- Date
- 1897-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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59 praktischen Verhalten nehmen? Er, der Heidenapostel (Apg. 9, J5, Gal. 2, 9), geht regelmäßig auf seinen Missionsreisen zuerst zu den Juden! In Antiochien sagt er: },VOit wenden uns zu den Heiden," und doch führt ihn auf der folgenden Station Ikonium fein erster Gang wieder in die Synagoge (Apg. (3, ^). Also nur von den Juden zu Antiochien hat er sich abgewendet, weil sie unausgesetzt „widersprachen und lästerten." In Korinth giebt Paulus dieselbe Erklärung ab, aber so wenig glaubt er damit von der Pflicht der Iudenmission entbunden zu sein, daß er bald darauf in Ephesus drei Monate frei in der „Schule" predigte (Apg. \S, 6: $, 8). Auch steht nirgends geschrieben, Israel habe als Volk die Sünde wider den heiligen Geist begangen; wie hätte sonst der sterbende Hohepriester am Kreuze bitten können: „Vater vergieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun" (Luk. 23, 3^)?; Spricht Paulus nicht eben dasselbe aus, wenn er Rom. \0 sagt: „Meines Herzens Wunsch ist, und flehe auch zu Gott für Israel, daß sie selig werden?" Es ist nicht wahr, daß ganz Israel verstockt ist. Die Schrift weiß nichts davon, fortwährende Bekehrungen und besonders die großen Erfolge in der apostolischen Zeit zeugen dagegen. Würde die Christenheit der jetzigen Tage ebenso rührig und glaubensstark sein, wie sie es am Anfang war, so würde sie auch von ähnlichen Segnungen reden können, wie die Apostel sie erfahren durften (Apg. 2, P; % 6, 7; 2\, 20). Wir dürfen Israel nicht links liegen lassen, das verbieten uns Liebe, Dankbarkeit, Mitleid. Das Unheil, das vielfach von ihnen ausgeht, muß sich in Segen verwandeln. Das vermag aber nur die Kraft des Evangeliums, für das jedes Menschenherz empfänglich ist. Nur andeutend konnte ich die Haupteinwände hervorheben und besprechen. Weitere Ausführungen verbietet der Raum. Unfern Missionsvereinen aber möge es wieder eine kleine Anregung sein, daß sie die Iudenmission nicht so ganz vergessen. Der vorstehende, von 8tuä. E. Buscher in Halle verfaßte Aufruf ist in dem uns sreundlichst zugesandten Gesamtbericht der akademischen Missionsvereine über das S.-S. J895 enthalten. Wir freuen uns dieser Worte und wünschen, daß ihnen allerorten Beachtung und Nachachtung zuteil werden möge. Aus Conftanline. „Es ist Euer Jesus, der uns trennt," sagte ein Rabbiner von Lonstantine, der Felsenstadt in Algerien, zu Missionar Flad jun., nachdem er zuvor die Ehrerbietung des Christen vor dem Alten Testament gelobt und erklärt hatte, niemand stehe den Juden näher als ein solcher Lhrist. Flad erwiderte: „Im Gegenteil, Jesus ist es, der uns mit einander vereinigt. Ohne ihn wären wir nie dazu gekommen, den Gott Israels anzubeten." Der Israelit wollte Iesum als einen Propheten, aber nicht als den Lohn Gottes anerkennen, Da verwies ihn der Missionar auf ps. ^0. „Wie ist es zu verstehen," fragte er, „daß David den Messias seinen Herrn nennt, wenn