Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 53 (1897)
- Issue
- Heft 8
- Date
- 1897-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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58 Die JuLenmission, das Stiefkind unter den Missionen. Ls unterliegt. keinem Zweifel, daß die Iudenmiffion in weiten, selbst gläubigen Areisen vielfach scheel angesehen wird. Man spricht mit jenem Liferer für lutherische Orthodoxie: „Man soll die Serien nicht vor die Säue werfen." So richtig dieser Ausspruch des Herrn ist: falsch ist er, sobald man ihn auf die Iudenmiffion anwendet. Das müßten doch ungehorsame Schüler gewesen sein, die gleich nach dem Tode ihres Meisters schnurstracks seinem Gebote zuwiderhandelten I Nein, es sind vorgefaßte Ansichten und Meinungen, die die Lhristenheit heutigen Tages, die auch unsere studentischen Missionsvereine zum Teil beherrschen und keine Liebe zu Israel aufkommen lassen. Im Lichte des Mortes Gottes erscheinen sie irrig. Nur in aller Aürze mag dies folgende Erwägung zeigen: h Man sagt: Erfolglosigkeit kennzeichne die ganze Iudenmission. — Allein die Iudenmissionare, die gewöhnlich nicht viel von sich reden machen, sind anderer Ansicht. Zwar können sie nicht so glänzende Erfolge aufweisen, wie oft die Heidenmissionare (diese übrigens auch nicht immer; man vergleiche nur die Arbeit unter den Papuas und auf Neu-Guinea), aber doch arbeiten sie nicht erfolglos. Und was gilt eine einzige gerettete Seele vor Gott? Matth. \<5, 26. Zu bedenken ist auch, daß Israel zu allen Zeiten sich dem Morte Gottes gegenüber widerspenstig bezeigt hat. Sollte es heute anders fein? Aber selbst vollkommene Erfolglosigkeit entbindet uns nicht von der Pflicht, die Jesus auch uns auferlegt, wenn er (Matth. 2\, H) sagt: „Und es wir d gepredigt werden das Evangelium vom Reiche in der ganzen Melt zu einem Zeugnis über sie." Unsere Sache ist es, zu arbeiten, bei Gott liegt der Erfolg. Ungeduldig schauen wir nach ein paar Jahrzehnte langer lauer Arbeit an Israel nach großen Erfolgen aus, ohne daran zu denken, daß es Jahrhunderte dauerte, bis unser deutsches Volk von dem Sauerteige des Evangeliums durchdrungen war. 2. Aber, wendet man ein, warum den Juden noch predigen, die ja doch zum allergrößten Teil unter Lhristen wohnen?! — Ja, wäre das der Fall! Rönnen sie wirklich inmitten der römischen oder gar der griechisch-orthodoxen Rirche wahres Lhristentum kennen lernen? Spüren sie in der protestantischen Airche die Gotteskrast des Evangeliums so deutlich, daß jede Mission überflüssig wäre? Mie sollen sie glauben, wenn ihnen nicht gepredigt wird? Daß sie „gelegentlich" einen gläubigen Lhristen treffen, genügt nicht; es muß Mission getrieben werden, und zwar systematisch. Mir sind doch se'bst auch nicht durch „Gelegenheit" Lhristen geworden. Doch diese Gründe werden nur für den zwingend sein, dem der dritte und zugleich hauptsächlichste Einwand genommen ist. Z. Diesen erblickt man darin, daß Paulus (Röm. sh 25 f.) von einem Geheimnis redet, nach welchem Israel sich erst nach dem Eingang der Fülle der Heiden bekehren werde, weil ihm jetzt Blindheit widerfahren sei. — Aber haben wir ein Recht, bloß nach Pauli Mort zu handeln, müssen wir uns nicht auch an ihm ein Beispiel im