Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 53 (1897)
- Issue
- Heft 7
- Date
- 1897-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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52 erhalten wurden, leben in der Zerstreuung. Sie wären gerne bereit, sich um uns zu sammeln und in unserer alten Heimat wieder ansässig zu machen, hierfür scheint uns aber der Zeitpunkt noch nicht gekommen zu sein. Die Bücher find alle verbreitet und wirken als Sauerteig. Wir reden mit jedem, mit dem uns Gott in Berührung bringt, über das Heil seiner Seele. Leider geschieht dies bei vielen nur zu einem Zeugnis über sie. Sie fürchten den Bann der Priester. Warum sind denn gerade die Priester überall das größte Hindernis für das Aommen des Reiches Gottes? Sie gehen nicht hinein, und andere lassen sie nicht hinein. Welch ein Gottesgericht muß über sie kommen I Bruder Sanbatu und ich haben „Die Wacht des Gebets," Goßners Schatzkästlein und einen Traktat ins Amharische übersetzt. Sobald der Weg sicher ist, sende ich Ihnen alles, damit Sie es drucken lassen. Während ich in Schoa war, machten die Brüder Heilu und Belleta eine Missionspredigtreise nach Fogera und Dembea. Sie Habei: die Proselyten ausgesucht und im Glauben gestärkt, den Falaschas Lhristum, den Gekreuzigten, als ihren Messias verkündigt und Bücher und Traktate unter sie verbreitet. In Dembea wurden 7, in Aorata und Fogera je 2 Falaschas getauft. Etliche unserer proselyten lassen es sich eine Herzenssache sein, den Iesum, den sie als ihren Heiland erkannt und lieben gelernt haben, ihren Brüdern nach dem Fleisch zu verkündigen. Von einem wissen wir, daß durch ihn drei Falaschafamilien bekehrt wurden. Ich machte mit Br. Sanbatu eine Missionsreise nach Gondar, Dembea, Genda und Tschanker, über die er Ihnen berichtet. Ich habe mich der vielen wahrhaft gläubigen und bekehrten proselyten, die wir besuchten, gefreut und dem Herrn gedankt. Anfechtung lehrt aufs Wort merken. Die letztjährigen schweren Zeiten äußerer und innerer Not haben uns und unsere proselyten näher zu Gott getrieben, demütiger und im Beten eifriger gemacht. Zur Ehre Gottes darf ich sagen: Obgleich wir viel junger und Blöße, Haß und Verfolgung zu erdulden haben, würde ich meine Stelle mit keiner irdischen Arone vertauschen, weil ich schon hier auf Erden Früchte unserer Arbeit sehen darf. Glauben Sie mir: ich bin bereit, noch mehr zu leiden, wenn es dem HErrn gefällt, Sein Werk in diesem Lande durch unsere persönlichen Leiden zum Siege zu führen I Auf der andern Seite würde ich auch gerne meinen Wanderstab niederlegen. Ich sehne mich oft nach der Heimat droben, wo aller Kampf ein Ende hat und wir unfern lieben Heiland schauen dürfen, der uns geliebt und erkauft hat. Zum Schluß empfehle ich mich und unser Werk Ihrer Fürbitte. Bitte, grüßen Sie mir alle meine Freunde und Bekannte, besonders die lieben Ihrigen! , In Liebe und Hochachtung Ihr gehorsamer und dankbarer M. Argawi.*) *) Missionar Argawi stammt von abessinischen Christen, nicht von Falaschas ab. Lr kam als vierjähriger Knabe in Flads Haus und wurde hier erzogen. Seine Ausbildung für den Missionsberuf erhielt er in St. Lhrischona.