Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 53 (1897)
- Issue
- Heft 6
- Date
- 1897-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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46 diese Stadt gegeben wurde, in öffentlicher Rede den in Wort und Schrift bekundeten Atheismus Lalandes mit edlem Freimut beklagte, bedeckte der Astronom mit beiden fänden sein Gesicht, um seine tiefe innere Bewegung und seine Thränen zu verbergen. Dann bat er ums Wort. Er erklärte, er bereue seine Irrtümer und wolle von seinem Anglauben nichts mehr wissen, sei vielmehr zu seinen früheren religiösen Anschauungen zurückgekehrt. Er bat um Verzeihung wegen des von ihm gegebenen Ärgernisses und schloß mit einem erhebenden Bekenntnis seines Ehristenglaubens. Die Heidenmission zeigt uns an zahlreichen Beispielen, wie das Evangelium den Götzendienst entwurzelt und den christlichen, Gottesdienst begründet. Aus der großen Zahl der heidnischen Übertritte zum Lhristentum sei folgender Fall angeführt: Ein heidnischer Lhinese kommt in Geschäften nach Schanghai und kauft hier ein Evangelium des Lukas, ohne zu wissen, was das für ein Buch ist. Nach Hause zurückgekehrt, muß er seinen Bekannten nicht nur erzählen, was er in der großen Handelsstadt gesehen, sondern auch zeigen, was er von dort mitgebracht hat. So holt er auch jenes Buch hervor und fängt an, daraus vorzulesen. Bald wünscht das halbe Dorf zu hören, was in dem Buch stehe, ja, womöglich dasselbe zu besitzen. So wird denn der Einband abgenommen und das Evangelium Blatt für Blatt verteilt, von den Empfängern abgeschrieben und sodann weitergegeben, bis zuletzt viele Leute das Ganze abgeschrieben haben. Die Abschreiber kommen fortan abends zusammen, um das Buch gemeinsam zu lesen und zu besprechen. Ein Missionar, der eines Tages in dies Dorf kommt, ist hoch erfreut, als die Leute ihm sagen: „Was Du da predigst, ist uns schon bekannt. Wir haben die Götzen schon aufgegeben und rufen jetzt den Herrn Iesum an." In allen solchen Fällen läßt man sich vielleicht den Gesinnungswechsel gefallen. Wenn es sich aber um Israeliten handelt, die dem Neuen Bunde beitreten, so erheben sich gewöhnlich auf christlicher und jüdischer Seite alsbald schwere Bedenken. Alan bestreitet die Ehrlichkeit des Übertritts und führt ihn auf unlautere Beweggründe zurück. Es mag ja leider viel Wahres in den Anklagen enthalten fein, welche die „Allg. Isr. Wochenschrift" vor einiger Zeit gegen die modernen Aonvertiten erhob. Sie schrieb : „Da ist ein hoffnungsvoller Jüngling, dessen Vater in der Provinz Posen als Bündeljude begonnen und es in Berlin zum Millionär gebracht. Durch sein Geld hat er den Aommerzienratstitel sich erworben, die Epauletten für sein Söhnchen kann er aber nicht erkaufen, und darum muß er diese sich ertaufen. Ein anderer hat das Verlangen, Amts- und Landrichter zu werden, und wenn ihn: auch als Juden diese Larriere nicht gänzlich verschlossen, so dauert es etwas länger, bis er sein Ziel erreicht: der Weg durch die Airche ist kürzer, und der Priester der Wahrheit erwirbt ein Amt durch eine Ünwahrheit. Ein dritter (er braucht nicht zur plutokratie zu gehören) hat Philologie studiert; er findet keine Verwendung an einer Schule, und man hat ihm nahe gelegt, zu seinen sonst guten Zeugnissen noch ein kleines Papierchen von einem protestantischen