Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 53 (1897)
- Issue
- Heft 6
- Date
- 1897-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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um weiterhin hervorzuheben, daß Christus alle Speisen gereinigt habe und daß uns nicht das, was in den Mund geht, sondern das, was aus dem Munde kommt, verunreinige. „Ah, ich sehe, Sie sind getauft," sagte jetzt der alte Mann. „Wie können Sie an einen Gehängten glauben?" Der Christ zeigte ihm den Schriftgrund seines Glaubens in Jes. 53, Sach. \2, sO und andern Stellen. Inzwischen hatten sich viele Juden um die beiden gesammelt. Alle aber hörten ruhig zu, wie sich auch der Alte allmählich beruhigt hatte, plötzlich trat ein jüdischer Rutscher. welcher den proselyten kannte, heran und schrie: „Sie sind der Gehilfe der Missionare, die unser Volk verführen. Schweigen Sie sofort, oder ich töte Siel" Aber der Christ ließ sich nicht einschüchtern und erwiderte: „Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen, und Gott befiehlt uns, Ihnen Christum zu predigen." Da erhob der Fuhrmann feine Peitsche und schlug den Gehilfen zweimal ins Gesicht. Jetzt eilte diesem ein Bahnhofsbeamter zu Hilfe. Derselbe wollte den Rutscher festnehmen und der Polizei überliefern. Aber der Christ bat dies nicht zu thun. 5o ließ denn der Beamte schließlich den Mann laufen. Als der Gemißhandelte von einigen Juden gefragt wurde, warum er seinen Beleidiger nicht bestrafen lasse, antwortete er: „Christus hat für mich viel mehr erduldet. Warum sollte ich nicht für ihn eine solche kleine Beleidigung erdulden? Cr hat uns überdies geboten, die zu segnen, die uns verfolgen." Die Juden konnten sich dem tiefen Cindruck nicht entziehen, den diese Worte und das Benehmen des Missionsgehilfen auf sie machten. Sie hätten ihm gerne noch länger zugehört, wenn nicht die Ankunft des von ihnen erwarteten Zuges das Gespräch beendigt hätte. Gesinnungswechsel. Im ungarischen Abgeordnetenhause erregte in diesem Frühjahr eine Rede des katholischen Domherrn und Studiendirektors Romloffy großes Aufsehen. Die Rede enthielt einen scharfen Angriff auf die antisemitisch gerichtete katholische Volkspartei, obwohl Aomlossy früher ebenfalls den Juden entgegengetreten war. Als ein Zwischenruf ihn hieran erinnerte, sagte er: „Ich bin allerdings einst ein Antisemit gewesen. Aber ich habe meine Anschauungen gründlich geändert, als ich sah, wie innig sich die ungarischen Juden der nationalen Sache anschlossen und wie hochherzig,.sie alle öffentlichen Anstalten unterstützen.". Bedeutsamer als der Übergang von einer politischen Partei zur andern ist derjenige von der Gottesleugnung zum Gottesglauben. Cin solcher Wechsel kommt in der Geschichte des französischen Astronomen Lalande vor, von dem der bekannte Ausspruch herrührt: „Ich habe mit meinem Fernrohr den ganzen Himmel durchforscht und Gott nicht gefunden." Cin Zeuge der mit Lalande vor seinem Tode vorgegangenen Änderung ist der schweizerische Schriftsteller I. Petit-Senn. Als ein Freund des letzteren bei einem Festmahl in Lyon, welches dem Gelehrten zu Chren bei seiner Durchreise durch