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Dibre Emeth · 1897-01-01 · Heft 6 · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
53 (1897)
Issue
Heft 6
Date
1897-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Geheimchriften finden sich auf allen Missionsfeldern. Missionar Mühlenbruch kennt in Rumänien viele Israeliten, die an Iefum Thristum glauben, aber nicht wagen, sich taufen zu lassen, da dies ihrem äußeren Fortkommen schädlich sein könnte. Z. B. besuchte ihn ein Lehrer, welcher, wie er sagte, nicht einen Augenblick zögern würde, überzutreten, wenn er mit seiner Familie nach Amerika auswandern könnte, während er in seiner jetzigen Lage sich von der Notwendigkeit des Empfangs der Taufe nicht überzeugen läßt. Ein anderer Lehrer meinte, wenn er allein wäre, würde es ihm leicht sein, ein Thrist zu werden: jetzt hält ihn die Rücksicht auf Weib und Rinder davon ab. Einige von diesen Leuten, die sich von der Synagoge noch nicht trennen können, sind ein guter Sauerteig für ihre Umgebung. So pflegt ein alter Mann in Bukarest, den die Juden „den Protestanten" nennen, an jedem Samstagnachmittag in jüdische Raffeehäuser zu gehen, um mit den Besuchern über Religionssachen zu reden. Sonntags wohnt er regelmäßig dem Missionsgottesdienst bei. In seinen Briefen an Mühlenbruch unterschreibt er sich: „Ihr Bruder in Ehristo Jesu, unserm Herrn." Lin Jüngling missionierte während seiner Militärzeit nicht nur unter seinen jüdischen Rameraden, sondern auch unter den in der Stadt ansässigen Israeliten. An einem Ort thaten sich einige Israeliten, die Iefum, den Sohn Davids gefunden hatten, zusammen und bildeten einen Bibelleseverein. Im Blick auf diese Geheimchristen schreibt der Missionar: „hier thut eine reichliche Ausgießung des heiligen Geistes not. Dann werden die geheimen und furchtsamen Gläubigen kühn werden wie Löwen und sich furchtlos erheben, wie dies in den Tagen Petri und Pauli der Fall war." Der heilige Geist aber muß und kann erbeten werden, vgl. Luk. ff, 7—f3. Erlebnisse auf einem russischen Vahnhof. Ein christgläubiger Israelit, welcher in Gemeinschaft mit Dr. Frohwein in Wilna den Juden das Evangelium predigt, wurde jüngst auf dem Bahnhof von Landwarowo die Ursache eines stürmischen Auftritts, weil er seinen Hunger in der dortigen Wirtschaft gestillt hatte. Ein älterer Jude fragte ihn, ob er nicht ein Stammesgenosse sei, dann, als dies bejaht wurde, wie er es wagen könne, etwas Unreines zu essen. Der Missionsgehilfe bestritt, daß die Speise deshalb unrein fei, weil er sie von einem Thristen erhalten habe. „In der heiligen Schrift," sagte er, „ist hiervon nicht die Rede. Im Gegenteil aßen große Männer wie Saul, Simson und Josaphat das, was Ihr Talmudisten „treife" nennt." Empört über diese Behauptung, rief der Alte: „Wie können Sie diese Männer Gottes so beleidigen? Sie verdienen eine Züchtigung." Der andere antwortete: „Zuerst müssen Sie mir beweisen, daß ich im Unrecht bin. Dann können Sie mich züchtigen." hierauf schlug er in einer von dem Gegner schnell herbeigeholten Bibel Sam. 28, 2\ f., Richt. und 2. Thron. s8, 2 auf,

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