Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 53 (1897)
- Issue
- Heft 5
- Date
- 1897-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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38 großen und vielen Gnadenmittel des lieben Wortes und die heiligen Sakramente, woran wir die große Liebe und das genaue Verbündnis erkennen können. Alles das und noch viel tausend Proben zeigen uns die große Liebe an." Zu den Erweisen dieser Liebe des Allmächtigen gehören aber auch die uns dienenden Naturkräfte. „Wenn wir den Fimmel mit den vielen Sternen ansehen und das liebe Mondlicht und des Morgens die hellaufgehende Sonne und den lieben Gnadenbund in den Wolken, dann müssen wir uns freuen, weil wir an allem teilhaben. Es heißt: Alles ist euer." Wie hoch sie den Umgang mit Gesinnungsgenossen schätzte, zeigt ein an den Enkel, der in Berlin die Uhrmacherei erlernte, gerichtetes Schreiben. Sie bezeugt ihre Befriedigung darüber, daß er in der Nähe von guten und lieben Leuten wohne, und äußert bei dieser Gelegenheit: „Wenn ich höre, daß eine Goldgrube gefunden ist, macht mir dies keine Freude. Aber wenn ich noch höre, daß hier oder dort oder wo es sein mag christliche Herzen entdeckt werden: das macht mir große Freude." Dann klagt sie darüber, daß die Zahl der Frommen in Berleburg gering fei. Wie sehr sie bemüht war, diesen kleinen Areis zu erweitern, erkennen wir u. a. aus dem Urteil, welches ihr Seelsorger nach ihrem Tode fällte: „Unsere Gemeinde hat an ihr ein lebendiges Glied verloren, das fein Leben in mannigfacher Weife anregend, strafend und erweckend an den Tag gelegt hat und manchem für sein Seelenheil förderlich gewesen ist." Besonders suchte sie unablässig ihre Angehörigen dem Herrn, dem sie diente, zuzuführen. Einer ihrer Enkel, der \888 als Aonsistorialrat in Münster starb, nannte sie deshalb „den guten Engel der Familie". Zn der Leichenrede der edlen Frau heißt es in dieser Beziehung: „Welch ein Segen können solche alte Leute für ihre Familien und durch diese wieder für die ganze Gemeinde werden! Wie es dem Alter von Natur eigen ist, daß es, hinwegblickend über den langen, mühe- und arbeitsvollen Erdentag, gerne in den Erinnerungen an den Lebensmorgen, die Jugendzeit, wieder auflebt, so können solche Alte,in welchen der Geist der Gnade Geduld mit den vorhandenen Übeln und dankbares Andenken an genossene Wohlthaten gewirkt hat, dem jüngeren Geschlechts sichtbare Denkmäler und redende Zeugen der vorigen Zeiten und der alten Tage werden. Gs kann durch ihr Wort die Frömmigkeit der Väter in den Rindern wieder aufleben. Ihre Demut kann den Dünkel, mit welchem das lebende Geschlecht nur zu oft den Fortschritt der Neuzeit ungebührlich erhebt, Niederhalten. Ihre Erfahrung kann ihnen die Rückschritte der Zeiten und das immer weitere Fortschreiten der Offenbarung des Geheimnisses der Bosheit zeigen und ihre erprobte Weisheit und Güte die Liebe, welche alles verträgt, alles hofft, alles glaubt, alles duldet. Möchte es uns nie an solchen Alten fehlen! Möchten wir aber auch ihren Wert zu schätzen, ihren Rat, ihr Beispiel zu befolgen wissen!" Dem Leben meiner frommen Großmutter entsprach ihr Sterben. Auch im Tode erfuhr sie die Gnade Gottes. Wer ihr Sterbebett