Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 53 (1897)
- Issue
- Heft 5
- Date
- 1897-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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37 schied die eine der beiden verheirateten Töchter als blühende junge Frau von ihrem Gatten und ihrem neugeborenen Rinde mit Lobgesängen, um dem Ruf des Allmächtigen in die andere Welt zu folgen. Einer der drei Söhne widmete fein Leben dem Dienst am Evangelium. Es ist der Missionar Ferdinand Wilhelm Becker, dessen hundertster Geburtstag auf den 27. März d. I. fiel. Den größten Segen empfing die Beterin persönlich, und zwar an Seele und Leib. Sie erlangte eine vorzügliche Aenntnis der heiligen Schrift, des Gesetzes und des Evangeliums, und erleuchtete Augen des Verständnisses, daß Eph. f, f. an ihr in Erfüllung ging. „Wenige haben eine so innige Herzensliebe zu Gottes Wort wie sie," sagte ein Berleburger Pfarrer von ihr. „5ie hatte Lust zum Gesetz des Herrn und redete von seinem Gesetze Tag und Nacht." Einst besuchte sie das Haus eines ungläubigen Mannes. Im Zimmer stand eine Wiege, in der ein kleines Rind lag. Die Besucherin trat an das letztere heran und wünschte ihm Gottes Segen. Der Vater legte auf dies Gut keinen Wert und sagte: „Wünschen Sie ihm lieber GeldI Das ist die Hauptsache." Aber die fromme Frau erwiderte: „Nein, die Hauptsache ist, daß das Rind den Weg zum Himmel geht." Jener meinte, diesen Weg kenne niemand. Natürlich bestritt sie seine Behauptung. Als er dann weiterhin erklärte, daß er an Wunder nicht glaube, sagte sie: „An mir thut der liebe Gott alle Tage Wunder." Ein solches Wunder war die gnädige Bewahrung bei einem - Fall, der sie das Leben hätte kosten können. Ein solches Wunder war das plötzliche Verschwinden eines Hustens, der sie lange entsetzlich gequält hatte. Eines Morgens durfte sie mit Freuden ihren Angehörigen melden: „Mein Husten ist weg." Einen Einblick in die Geheimnisse des Jenseits erhielt sie einmal am Sterbebett einer frommen Seele. Doch breiten wir über dies merkwürdige Erlebnis lieber einen Schleier aus. Sie wußte, daß die göttliche Erziehungsweisheit über die menschlichen Gedanken und Wünsche oft weit hinausgeht, aber uns immer wohlthun will, daß sie namentlich auf unser Bestes, auf unsere Läuterung, abzielt, indem sie uns leiden läßt. In einem Brief vom 20. April f8H2 schreibt die Siebenundsiebzigjährige, daß es ihr dem Leibe nach gut gehe, wofür sie Gott Lob und Dank schuldig sei, daß sie aber der Seele nach viel zu leiden gehabt habe. Doch kann sie zugleich mitteilen, der Herr habe die Last erleichtert, und sie sagt ihm hierfür tausend Dank. „Der Herr hat seine Zeit bestimmt, wann er helfen will. Ob er wohl immer gerne helfen will und kann, ist es uns nicht immer nützlich. Der Herr weiß alles am besten, was uns nützlich und selig ist. Mit Gott ist das große Leiden leicht, aber ohne Gott ist das geringe schwer." Der Verkehr mit der dem leiblichen Sinne unsichtbaren Welt befähigte sie, auch im Naturleben überall Gottes Hand zu erkennen. In einem andern Brief zählt sie die Antriebe zur Dankbarkeit gegen den Höchsten auf. Vor allem haben wir Gott zu loben „für das allergrößte und teuerste Geschenk seines allerliebsten Sohnes, für die