Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 53 (1897)
- Issue
- Heft 5
- Date
- 1897-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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39 sah, mußte in den Wunsch einstimmen: „Meine Seele müsse sterben des Todes dieser Gerechten, und mein Ende sei wie ihr Ende." Mit freudiger Fassung blickte sie der letzten Stunde entgegen. Am Abend vor ihrem. Scheiden besuchte ihr Seelsorger sie. Er sprach ihr gegenüber die Überzeugung aus, daß ihr Herz im Umgang mit dem stehen werde, an welchen sie glaube, und dem sie jetzt entgegengehe, wenn auch ihr Mund nicht mehr reden könne. Da gab sie ein Zeichen des Einverständnisses, indem sie zwar mit schwacher Stimme, aber mit freudestrahlendem Auge in den Worten eines Gesanges (der Nr. 2\6 des alten Berleburger Gesangbuches) antwortete: „Ach, wund're sich nur niemand nicht, Daß ich nichts and'res mehr verricht'. Die Braut kann doch sonst nirgends ruh'u: Sie hat mit ihrem Schmuck zu thun. Wer seinen Hochzeitstag schon vor sich sieht, Der ist um andern Tand nicht mehr bemüht." Es war ihr Wunsch, an dem Tage heimgehen zu dürfen, an dem die Lhristenheit das Gedächtnis des Todes Jesu begeht: am Aarfreitag. Aber der Bräutigam, dessen sie mit hellleuchtender Glaubenslampe wartete, kam noch früher. Sie entschlief am Morgen des Gründonnerstags, des Aprils \Q^f 79 Jahre, 2 Monate und 28 Tage alt, und durfte das Auferstehungsfest im Himmel feiern. Am ersten Ostertag fand die Beisetzung der irdischen Hülle statt. Die große Trauerversammlung sang vor der Leichenrede den Vers, mit dem ich dies Aapitel aus meiner Familienchronik beschließe: „Das ist die rechte Osterbeut' Der wir teilhaftig werden: Fried', Freude, Heil, Gerechtigkeit Im Fimmel und auf Erden. Hier sind wir still und warten fort, Bis unser Leib wird ähnlich dort Des Herrn verklärtem Leibe." Was ist der Mensch? „Wer bist Du?" schrie jemand zornig Schopenhauer an, als er auf der Straße gegen den Philosophen angerannt und hierdurch in seinem eiligen Gang aufgehalten worden war. „Ach," antwortete der Gefragte, „wenn Du mir das sagen könntest, wer ich bin, so würde ich Dir dafür alles geben, was ich besitze." Monier singt: „Wie die Blätter der Bäume, so sind der Menschen Geschlechter." Sophokles erklärt: „Unbegreiflich ist vieles, aber nichts ist so unbegreiflich wie der Mensch." vielen gilt der Mensch als „ein Mißton in der Harmonie der Schöpfung." — Die richtige Antwort auf die obige Frage erteilt uns die heilige Schrift. Nach ihr ist der Mensch das letzte und vornehmste werk des Weltenmeisters, ein Wesen, welches zwei Bestandteile hat: einen aus irdischen Stoffen gebildeten und darum mit der ganzen Natur verwandten Leib und eine von Gottes Geist abhängig?, und darum mit Gott verwandte, lebendige Seele. Im Bilde und nach der Ähnlichkeit Gottes geschaffen, sank das erste Menschenpaar von seiner hohen Stufe herab, weil es diese nicht im Gehorsam gegen Gott behauptete und alle Nachkommen leiden unter den Folgen des ersten Sündenfalls. Dennoch stehen wir immer noch unter Gottes gnädiger Leitung. Er selber hat — vor allem in seinem fleischgewordenen Sohn — den Aampf mit der Sünde ausgenommen und führt die, welche „wollen," dem von ihm gesteckten Ziele der gottähnlichen Heiligkeit im Reiche Gottes entgegen. Jüdische ßchronik. In Berlin wurde das Oranienburgerstr. 3* erbaute Hospital (Siechenhaus) der jüdischen Gemeinde eingeweiht. — Der seit bestehende Rabbinerverband gab sich eine neue Verfassung. Er wird in der Regel alle 3 Jahre eine Generalversammlung abhalten. — Dem Ende W5 gestifteten Verband der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche ging der Beschluß eines Vereins der Ostprovinzen zu,