Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 53 (1897)
- Issue
- Heft 5
- Date
- 1897-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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35 des deutschen Reichsheeres. Ihre Mutter stammte au- Hohensolms. Als sie acht Jahre alt war, starb der Landesherr, der reichsunmittelbare Graf Ludwig Ferdinand zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Sein Nachfolger war Graf Christian Heinrich. Unter ihm wurde \?$2 die Grafschaft zum Fürstentum erhoben. Unter seinem Lohn, Fürst Albrecht I., fiel das kleine Land an Preußen. Ginen tiefen religiösen Eindruck machte auf die Zwanzigjährige die Begegnung mit einem zum Tode verurteilten Mörder. Am Abend vor der Hinrichtung, die am 2\. Oktober \785 auf dem Galgcnberge bei Berleburg erfolgte, nahm ihr Vater fie mit ins Gefängnis. Hier hörte fie einen Geistlichen mit dem reumütigen Verbrecher beten. Dann betete dieser selbst, und zwar so ergreifend, daß Christiane Florentine dies Gebet nie wieder vergaß. In demselben Jahre J785 trat fie in die Ehe. Ihr Mann, Johann Philipp Becker, der am 29. November s76H als Lohn eines Berleburger Bürgers geboren war, übte neben dem Ackerbau anfänglich das von ihm erlernte Handwerk aus. Später besorgte er das Landfuhrwesen. Er starb plötzlich am 2. Juli s800 währeneines Aufenthaltes in Münden. Hiermit brach für die Frau und die sechs Rinder eine schwere Prüfungszeit an. Aber der Glaube der Witwe bewährte sich und überwand die Anfechtung in der Rraft des Gebetes. Wie ihr Leichenredner erwähnte, konnte auf sie das Wort des Apostels (f. Tim. 5, 5) bezogen werden: „Das ist eine rechte Witwe, die einsam ist, die ihre Hoffnung auf Gott stellt und bleibt am Gebet und Flehen Tag und Nacht." Unter den vor mir liegenden, von der Hand der Großmutter beschriebenen Blättern finde ich Gebete, die sie zu gebrauchen pflegte. Auf dem einen Blatt liest man: „Herr, frühe wollest Du meine Stimme hören. Frühe will ich mich zu Dir schicken. — Der heilige Name Gottes, meines Vaters, segne mich. Das teure Verdienst meines Herrn Jesu begnadige mich. Der Odem des Geistes Gottes führe, beherrsche und erhalte mich, hier zeitlich und dort ewiglich. Amen. — Herr der Zeit und Ewigkeit, hilf mir, daß ich bis ans Ende so, wie mir Dein Wort gebeut, klüglich meine Zeit anwende, die mir auch Dein weiser Rat auf der Welt befohlen hat. — Lehre mich die kurze Frist, die Du mir hier zugemessen, wie es Dir gefällig ist, brauchen und es nie vergessen, daß hier ist die Übungszeit zu dem Glück der Ewigkeit. — Gott, laß Deinen guten Geist mich zu Deiner Weisheit führen, und, wie mir Dein Wort verheißt, meinen Wandel so regieren, daß ich Gutes hier ausstreu' und mich dessen ewig freu'. — Herr, leit' und führe mich, dieweil ich leb' auf Erden. Laß mich nicht ohne Dich durch mich geführet werden. Führ' ich mich ohne Dich, so werd' ich bald verführt. Wo Du mich aber führst, thu' ich, was mir gebührt. — Nun, liebster Jesu, liebstes Leben, mach' mich in alleni Dir recht eben und Deinem heiligen Vorbild gleich. Dein Geist und Araft mich gar durchdringe, daß ich viel Glaubensfrüchte bringe und tüchtig werd' zu Deinem Reich. Ach, zeuch mich ganz zu Dir, behalt' mich für und für, treuer Heiland. Jesu, Jesu, laß