Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 53 (1897)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1897-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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30 angestellt. Inmitten einer starken jüdischen Bevölkerung sammelte Samani junge Falaschas um sich und eröffnete eine Schule. Außerdem predigte er das Evangelium den Erwachsenen, Juden und Lhristen. Von Asseso aus machte er oft Missionsreisen, um auch auswärts für den Heiland Seelen zu gewinnen. Einige seiner Verwandten und andere Ainder Abrahams durfte er dem Herrn zuführen. An einem Sonntag wurden fünf, an einem andern fechszehn erwachsene Falaschas in Affeso getauft. Samani war ein Freund der Einsamen, ein Vater der Waisen. Er besuchte die Aranken und tröstete die Trauernden und die Sterbenden. Daher erfreute er sich auch der Liebe aller. Selbst seine Gegner lobten sein durch und durch christliches und tadelloses Leben. Nach drei Jahren treuer und selbstverleugnungsvoller Arbeit erkrankte er. Kein Arzt konnte nach ihm sehen. Agasche, der mit ihm verbunden war wie Jonathan mit David, halte für die Haushaltung und die Schule zu sorgen. Aber täglich kamen Leute von nah und fern, um sich nach dem Befinden des Aranken zu erkundigen, und dieser benutzte mit Freuden die Gelegenheit, mit den Besuchern über die Liebe seines Erlösers zu reden. Vor seiner Erkrankung hatte er vier Bretter zu seinem Sarg zurecht gemacht. Eines Morgens ließ er sie von Agasche an sein Arankenbett bringen und gab dem Freund an,^wie er sie zusammenzunageln habe. Als der Sarg fertig war, rief er lächelnd: „Was für ein enges Haus ist dasl Ich werde bald hineingelegt werden." Er ließ den Sarg seinem Bett gegenüberstellen und zeigte ihn allen, die zu ihm kamen. „Seht!" sagte er. ,,Ich fürchte mich nicht vor dem Tode. Ich habe Iesum in meinem Herzen. Er ist die Auferstehung und das Leben. Er starb für mich. Er vergab mir alle meine Sünden. Er wusch mich mit seinem kostbaren Blut. Er hat für mich auch eine Wohnung im Himmel bereit. Daher habe ich keine Furcht vor dem Tode oder dem Gerichte, welches dem Tode folgt. Ehristus ist meine Gerechtigkeit. Ich weiß: ich bin sein, und er ist mein. Daher sehne ich mich danach, ewig bei ihm zu sein. O, möchte es ihm gefallen, Luch allen den rechten Glauben zu schenken, daß Ihr ihm lebt und dient! Dann würdet Ihr ebenso glücklich sein wie ich. Eure Sünden würden vergeben werden, und Ihr würdet alle Furcht vor Tod und Gericht verlieren." Am Morgen seines Todestages ließ er alle Mitarbeiter kommen und ermahnte sie feierlich, den guten Aampf zu kämpfen und den Falaschas unermüdlich das Evangelium zu predigen, wenn sie auch nicht viele Frucht sehen und Verfolgungen erleiden sollten. Dann faltete er die Hände und betete: „Um Jesu willen, lieber Vater, nimm meine Seele auf!" hierauf entschlief er. Die Trauer über seinen Tod war allgemein. Die christlichen Priester von Asseso bezeugten ihre Verehrung für Samani, indem sie dem Sarge in dem Mausoleum der Kirche einen Platz anwiesen, in welcher früher nur abessinische Bischöfe begraben worden waren.