Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 53 (1897)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1897-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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27 Der Missionar stellte diesem Ausspruch die Warnung vor falschen Propheten entgegen, die sich Jer. 23, 3s f. findet. Dann führ er fort: „Ich werde Ihnen ein Neues Testament leihen. Lesen Sie es mit Aufmerksamkeit und Gebet! Später können wir mit größerem Verständnis von seinem heiligen Urheber, seinen Lehren und Vorschriften mit einander reden. Wenn Ihnen einzelne Punkte dunkel sind, wird es mir eine angenehme Pflicht fein, sie Ihnen zu erklären." Der Zuhörer nahm hierauf das ihm angebotene Neue Testament an, ohne ein Wort zu erwidern. Ein Jahr verging. Da begegnete dem Ehristen wiederum der Jude. Der letztere war sehr erfreut, den Missionar wiederzusehen. Als dieser sich erkundigte, was er niit seinem Neuen Testament gemacht habe, und ob er dasselbe immer noch für ein schlechtes Buch halte, sagte er: ,,O nein. Gott bewahre mich hiervor! Ich schäme mich, Ihnen zu antworten. In meiner Blindheit habe ich falsch geurteilt und zu viel gesagt. Gott vergebe es mir! In Zukunft werde ich mich mit David (ps. 39) davor hüten, daß ich mit meiner Zunge nicht sündige, und werde ich meinen Mund zäumen. Das Neue Testainent ist das beste Buch in der Welt. Ich habe es gelesen und lese es täglich. Je mehr ich es verstehe, desto mehr erschrecken mich meine Sünden. Alle Sünden, die ich je begangen habe, kommen mir vor die Augen. Aber ich tröste mich auch damit, daß jeder, welcher des l)errn Namen anruft, gerettet werden soll (Apg. 2, 2s)." „Sie haben recht," antwortete Zerbib, „denn Gott sandte seinen Sohn nicht in die Welt, daß er die Welt verdamme, sondern daß die Welt durch ihn gerettet werde." „Ja, ja," rief der Jude. „Das steht im Johannesevangelium. Dies Evangelium ist der Balsam des Neuen Testamentes für Sünder." Nach mehreren Unterredungen mit Zerbib bat der ehemalige Fanatiker um Neue Testamente und Traktate, um sie unter seinen Brüdern in Südmarokko zu verbreiten. S am Mi. Schon früher war von diesem vortrefflichen Falascha-Missionar, der ums Jahr J8^9 geboren wurde und im gerbst \877 starb, in den „D. E." die Rede. Nachdem aber sein Lehrer, Missionar Flad, s896 in „The J. M. Advocate“ eine manches Neue enthaltende und einzelne frühere Angaben berichtigende Geschichte desselben veröffentlicht hat, kommen wir gerne wieder auf ihn zurück. Samani war der Sohn eines jüdischen Priesters in Asseso, einer abessinischen Stadt, die nahe bei der Hauptstadt Gondar liegt. Er wurde von Rind auf dazu angeleitet, Gott zu fürchten. Mit sechs Jahren unterwarf er sich allen Religionsgesetzen der Falaschas, welche Waschungen, Fasten und das Auswendiglernen des äthiopischen Psalters von ihm forderten. Als Erstgeborener sollte er seinem Vater im Priesteramt folgen. Nach dem Tode des letzteren zog die Mutter mit ihren sieben Rindern nach Djenda. Um ihr bei der Versorgung der Familie zu helfen, erlernte der zwölfjährige Anabe