Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 53 (1897)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1897-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2555035-2555038--09677-2565857- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
20 gesellschaft erweitert, der alle Metropoliten, Erzbischöfe und Bischöfe beitraten, und deren Leitung unser Fürst Galitzin übernahm. Als Missionar Becker den edlen Russen kennen lernte, stand derselbe auf der Höhe seiner Macht. J8J6 hatte der Kaiser ihn zugleich zum Minister der Volksaufklärung ernannt und somit zum Oberverwalter der gesamten geistlichen Angelegenheiten und des Unterrichtswesens gemacht. \8\8 voax ein Ministerium des Kultus und der Volksaufklärung geschaffen und dem Fürsten übertragen worden. Ein treuer Sohn seiner Kirche, behandelte der einflußreiche Minister auch die Andersgläubigen mit Gerechtigkeit. Die Evangelischen erfreuten sich seiner besonderen Gunst. Sie durften fortan Glocken in ihren Kirchtürmen aufhängen und wurden zum teil finanziell unterstützt. Der Fürst sorgte dafür, daß überall, wo es not that, evangelische Konsistorien errichtet wurden. Daneben fand der vielbeschäftigte Mann stets Zeit, in der Stille Gutes zu stiften, Arme zu besuchen und ihnen seine teilnehmende Liebe zu beweisen. Auch Gefangenen wandte er seine Fürsorge zu. Ferner sammelte er Gelder zum Loskauf griechischer Frauen und Kinder aus türkischer Sklaverei. Allein \825, im Todesjahr Alexanders, wurde der Fürst seines Amtes enthoben dank den Umtrieben eines falschen Freundes. Man verdächtigte die Arbeit der Bibelgesellschaft. Der Archimandrit photi schilderte dem Kaiser die Gefahren, welche nach seiner Ansicht um ihretwillen der Kirche und dem Staat drohten. Das Ende war, daß die Gesellschaft aufgehoben und ihr Vermögen (2 miü. Rubel) dem heiligen Synod übergeben wurde. Die Bibelausgaben wurden im Keller dieser Behörde untergebracht. \826 wandelte Kaiser Nikolaus die thatsächliche Aufhebung der Gesellschaft in ein gesetzliches Verbot um. Unser Fürst, der einem Gegner der ihm so teueren Bibelsache hatte weichen und sich mit dem Oberpostamt hatte begnügen müssen, erwarb sich trotz alledem das Vertrauen des neuen Kaisers. Erst M2 durfte er seinen Abschied aus dem Staatsdienst nehmen und nach der Krim, wo er ein Gut erworben hatte, übersiedeln. Ein Augenleiden, welches ihm die Arbeit schließlich unmöglich gemacht hatte, wurde durch die vielen Thränen, die er beim Abschied vergoß, so gesteigert, daß er seine Besitzung als ein Blinder erreichte. Aber er nahm diese schwere Prüfung geduldig und gottergeben hin. Später gelang es einem geschickten Operateur, ihm das Augenlicht wiederzugeben. Da zeigte sich aufs neue seine kindliche Frömmigkeit im schönsten Licht. Der Geheilte rief: „Zuerst will ich das Kreuz und dann meinen Retter sehen." Sein Tod wurde durch Brustwassersucht herbeigeführt. Er entschlief am 22. November \8ty\ und wurde im Georgskloster bei Sebastopol beerdigt. Zn seinem Testament vermachte er dem Kaiser sein Kruzifix, ein Familienerbstück, mit dem Gebet, daß es ihn stets vor seinen sichtbaren und unsichtbaren Feinden schützen möge. Diesem Wunsch fügte er den uns Evangelischen richtiger erscheinenden bei, daß der heilige Geist stets in dem Kaiser walten möge.