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Dibre Emeth · 1897-01-01 · Heft 2 · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
53 (1897)
Issue
Heft 2
Date
1897-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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\5 25. Die Schrift nennet das ewige Leben einen Lohn: nicht, daß Gott schuldig sei, um die Werke das ewige Leben zu geben, sondern nachdem das ewige Leben sonst gegeben wird aus andern Ursachen, daß dennoch damit vergolten werden unsere Werke und Trübsal, obschon der Schatz so groß ist, daß ihn Gott uns um die Werke nicht schuldig wäre. Gleichwie das Erbteil oder alle Güter eines Vaters dem Lohn gegeben werden und sind eine reiche Vergleichung und Belohnung seines Gehorsams, aber dennoch empfähet er das Erbe nicht um seines Verdienstes willen, sondern daß es ihm der Vater gönnet als ein Vater. (J530.) 26. Warum brauchst Du den Tod nicht zu fürchten? Du wirst von der Sünde erlöst, von den Sorgen und von der Wut der Theologen befreit. Du kommst zum Licht. Du wirst Gott schauen und seinen Sohn. Du wirst die wunderbaren Geheimnisse erkennen, die Du in diesem Leben nicht begreifen konntest: warum wir so geschaffen sind und nicht anders, und worin die Vereinigung der beiden Naturen in Lhristo besteht. (][560.) _ Der 23. N/atrn ist die Nachtigall unter den Psalmen. Er ist klein, schmucklos an Gefieder, nur scheu aus der Verborgenheit hervorsingend, aber er hat den Luftkreis der Welt mit melodischer Freude erfüllt, mit größerer, als das Herz sie fassen kann. Gesegnet sei der Tag, an dem dieser Psalm gesungen wurde. Was würdest Du sagen, wenn Gott einen Wanderer ausgesandt hätte, der die Erde auf« und abginge und eine wunderbare Melodie sänge, die jeden Zuhörer seinen Kummer vergessen ließe; wenn dieser singende Engel durch alle Länder zöge und in der Sprache jedes Volkes durch die Töne, seines Liedes, die mit göttlicher Kraft seiner Brust entströmen, jeden Schmerz stillte? Siehe, dieser Psalm ist ein solcher Engel. Ihn hat Gott ausgesandt, daß er in jeder Sprache der Erde rede. Er hat mehr Sorgen und Schmerzen gelindert, als alle Philosophen der Welt. Er hat mehr böse Gedanken, mehr dunkle Zweifel, mehr nagende Sorgen in ihre Höhlen zurückgedrängt, als es Sand am Meere giebt. Er hat die edelste Schar der Armen getröstet. Er hat dem Heer der Betrübten Mut gesungen. Er hat Balsam in das Herz der Kranken, der Witwen in ihrem zehrenden Schmerz, der Waisen in ihrer Verlassenheit ausgegoffen. Sterbende Krieger sind leichter gestorben, wenn sie diesen Psalm hörten. Er hat todesbleiche Angesichter mit Hoffnungsschimmer gefärbt. Er hat den Gefangenen in seiner Zelle besucht, seine Ketten zerbrochen und wie der Engel des Petrus ihn aus dem Kerker hinausgeführt und in sein Haus zurückgesungen. Er hat den sterbenden Sklaven freier gemacht, als es fein Herr war. Er hat die Hinterbliebenen getröstet: sie trauerten nicht mehr darum, daß der Gestorbene von ihnen ging, sondern daß sie noch nicht mit ihm gehen konnten. Und sein Werk ist noch nicht vollendet. Singend wird er gehen zu Deinen Kindern und Kindeskindern, durch alle Geschlechter und Zeiten. Und nicht eher wird er seine Flügel sinken lassen, als bis der letzte Erdenpilger gerettet unb die Zeit abgelaufen ist. Dann wird er zu Gottes Kerzen, von dem er herniederkam, zurücksliegen und in dem Lhor jener Klänge himmlischer Freude forttönen, die für ewige Zeiten in den Harmoniken des Fimmels zusammenklingen werden. - (Beecher.) Dunkle Stunden. Dunkeln muß der Himmel rings im Runde, Daß sein Sternenglanz zu leuchten wage. Stürmen muß das Meer bis tief zum Grunde, Daß ans Land es feine perlen trage. Klaffen muß des Berges offne Wunde, Daß sein Goldgehalt ersteh' zu Tage. Dunkle Stunden müssen offenbaren, was ein Herz des Großen birgt und Klaren. (A. Grün.)

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