Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 53 (1897)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1897-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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willigte oder gegen Gottes Airche stritte, in die ich nach diesem Leben einzugehen hoffe. Wir kämpfen nicht um verworrene, unklare Dinge, sondern um solche, die im Worte Gottes geoffenbart sind. Dies Wort soll allein der Richter des Streites sein: ihm unterwerfen wir uns, einem andern nicht. (J5^3.) 22. Ich will gewiß. das verdiente Ansehen der Airchenväter nicht vermindern. Ich verehre diese berühmten Lichter der Airche, diese Verteidiger der christlichen Lehre. Allein, so wie auch wir die heilige Schrift anders verstehen, je nachdem wir verschieden aufgelegt sind, so haben auch sie dieselbe oft nach ihrem Sinn ausgelegt. Es ist daher nötig, ihre Aussprüche nach der Schrift zu prüfen und diese nicht ausschließlich aus ihnen zu erklären. Von den Scholastikern will ich nicht reden, da sie durch ihre mannigfachen Erklärungsweisen aus der Bibel einen vielgestaltigen Proteus gemacht haben, während sie doch nur Einen Sinn haben kann. Es handelt sich nur um die Airchenväter. Bei diesen läßt sich nun aus zahlreichen Beispielen beweisen, daß sie zuweilen geirrt haben und sich nicht selten unter einander widersprechen. Ist es daher eine Sünde, wenn Luther in manchem von ihnen abweicht, oder wenn er die Erklärung der einen annimmt und die entgegengesetzte der andern verwirft? (sSsß.) 23. Ich habe durch meine Studien erkannt, daß manches als Glaubensartikel ausgegeben wird, daß sich nicht bei den alten Airchenvätern bestätigt findet, daß vieles Ungewisse als gewiß, vieles Unchristliche als christlich dargestellt, und daß das Urteil,, darüber nicht aus der heiligen Schrift, sondern aus menschlichen Überlieferungen genommen wird. Ist es daher nicht unsere höchste Vsiicht, die Theologie von der Ukenschenlehre zum Worte Gottes zurückzuführen? Ich vermindere die Autorität der Menschen, um die der Bibel zu erhöhen. Ich frage Dich*), der Du den Ozean aller jener heillosen Fragen durchschifft hast, jetzt aber, wie aus einem Lchiffbruch gerettet, in ruhigem Hafen der Wonne der heiligen Schrift genießest, kommt es Dir nicht vor, als seiest Du nun in einer andern Welt? Bildet Dich nun der Geist Lhristi nicht ganz anders als ehemals jene trügerischen Lehrer? Man entgegnet uns, die Schrift bedürfe der Auslegung, und das Recht hiezu gehöre nur der Airche an. Gleich als ob die Bibel nur von den mönchischen Magistern verstanden werden könnte! Wir dürfen nicht dulden, daß man ägyptische Hieroglyphen aus ihr mache. Sie ist allen gegeben, um von allen verstanden zu werden**). Auch wir haben das Recht, ihren Inhalt zu überlegen. Der Herr will, daß alle von Ihm zeugen. (f520.) 2Die Lehre von der Sündenvergebung und dem Glauben an Lhristum, die Luther uns gepredigt hat. ist nicht aus menschlicher Alugheit entstanden: sie ist das Evangelium Gottes, und dieser Gott hatte ihn erweckt, sie uns wieder zu verkündigen. Sein Andenken soll uns so teuer bleiben, wie seine Lehre. ($. Febr. s5H6.) *) Gemeint ist Dr. Johann lief; aus Nürnberg, Kanonikus in Breslau. **) „Gottes Volk ist gebunden an Gottes lvort," sagt Melanchthon anderswo.