Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 53 (1897)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1897-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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\2 Fragen und Disputationen sich drob erhoben.'") Wie die alten Lehrer die Wort verstanden haben, kann man sehn aus ihren Schriften. Paulus sagt: „Das Brot, das wir brechen, ist die Gemeinschaft des Leibes Christi. Der Reich, den wir trinken, ist er nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi?" Darum, wenn man im Abendmahl reicht Brot und N)ein, so wird uns gereicht der Leib uud das Blut Christi wahrhaftig, und Christus ist wahrhaftig da und ist kräftig in uns, wie Hilarius sagt: „Dieses Esten und Trinken macht, daß LhristusJN^uns sei und wir in ihm." Und ist wahrlich ein wunderbar, teuer, großes Pfand der höchsten, göttlichen Liebe gegen uns und der höchsten Barmherzigkeit, daß der Herr im Abendmahl zeuget, daß er sich uns wahrhaftig selbst giebt, daß er uns seinen Leib und sein Blut wahrhaftig zu genießen giebt, daß er uns ihm selbst zu Gliedmaßen macht, auf daß wir wissen, daß er uns liebt, sich unser annimmt, uns behütet und erhält. (J(535.) \7. Die Kommunion soll gehalten werden also, daß der Priester nach dem Gebet den Befehl Christi ernstlich und mit Andacht spreche und wisse, was er thue, und hernach den Leib und das Blut Christi austeile zu genießen ihm und andern, so zur Kommunion zugelaffen und vorher verhört und absolviert sind und nicht in öffentlichen Lastern verharren, welche auch rechten Verstand haben sollen, was dieses Sakrament sei, nämlich Nießung des wahren Leibs und Bluts Christi, und wozu diese Nießung zu thun, nämlich, daß der Glaub erweckt und gestärkt werde, dieweil uns Christus durch diese seine Ordnung seinen Leib und Blut gebe, daß er uns gewißlich zu seinen Gliedmaßen mache, vergebe uns unser Sünd aus Gnaden, um seines Todes willen, nicht von wegen dieses unseres Gehorsams; item, daß wir für.seinen Tod und Auferstehung und alle Gaben hie danken; item, daß wir hiebei auch erkennen, daß wir Eines Heilandes Glieder sind und sollen gegen alle Glieder Liebes und Gutes erzeigen, unserm Heiland Christo zu gefallen. (\5^5*) H8. Der edle und heilige Name Kirche Gottes wird gemißbraucht von den Päpstlichen zur Stärkung vieler öffentlicher Abgötterei. Darum ist not, die hochbetrübten Christen zu trösten, die durch diesen scheinbaren Namen sehr geängstigt werden. Und soll dagegen der klare, öffentliche Spruch des Herrn Christi gehalten werden von der Lästerung wider den heiligen Geist, daß dieselbige Sünd nicht vergeben werde. Wenngleich vor dieser jetzigen Offenbarung des Evangelii etliche im Papsttum selig worden und rechte Gliedmaß der Kirchen gewesen sind als Bernhardus, Bonaventura u. a., die Abgötterei in Unwissenheit getrieben haben und doch endlich zur Barmherzigkeit um des Herrn Christi willen Zuflucht gehabt: so folget doch nicht daraus, daß keine *) schrieb Melanchthon: ,,Giebt es etwas Betrübenderes, etwas, das mehr beweint zu werden verdiente, als daß das heilige Pfand der Liebe zum Gegenstand von Zank und Zwietracht gebraucht wird?" j[550 klagte er: „Dieser Zwiespalt hat den Lauf des Evangeliums aufgehalten und die Gewalt und Verwegenheit unserer Gegner vermehrt." Schon J538 konnte er sagen: „Seit länger als 40 Jahren ist kein Tag, keine Nacht vergangen, ohne daß ich über das Abendmahl nachgedacht hätte".