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Dibre Emeth · 1897-01-01 · Heft 2 · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
53 (1897)
Issue
Heft 2
Date
1897-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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w \3. Weder aus der Vernunft noch aus dem Gesetz ist die Erwählung zu beurteilen, sondern aus dem Evangelium. Sie geschieht um des Herrn Ehristi willen, durch den Glauben: eine andere Ursache sollen wir nicht suchen. So wie wir, wenn wir von der Rechtfertigung reden, mit dem Evangelium beginnen, so auch bei der Erwählung. Ebenso ist die Ursache der Verwerfung nur die Sünde, das Widerstreben gegen Gottes Wort. Damit soll mail sich trösten und begnügen. Diejenigen, welche getauft sind und bitten und glauben, daß ihnen die Sünden um Ehristi willen vergeben werden, diese werden geheiligt. Wenn ihr daher die predigt des Wortes hört, so sollt ihr gewiß sein, daß sie euch angeht, und nicht grübeln über Erwählung oder Prädestination, von der erst am Ende zu urteilen ist, wie geschrieben steht: „Selig sind, die im Herrn sterben." Ihr sollt nicht zweifeln, sondern die Verheißung auf euch anwenden, Habt ihr dann den Anfang des Glaubens, so wird Gott weiterhelfen. \5. Den Glauben zu erlangen, hat Gott das Predigtamt eingesetzt, Evangelium und Sakrament gegeben, dadurch er als durch Wittel den heiligen Geist giebt*), welcher den Glauben, wo und wenn er will, in denen, so das Evangelium hören, wirket, welches da lehret, daß wir durch Ehristi Verdienst, nicht durch unser Verdienst, einen gnädigen Gott haben, so wir solches glauben. (J530.) \6. Das Wort Sakrament heißt ein äußerlich Zeichen, welches Gott an seine Verheißung geheftet hat, durch die er Gnad' anbeut. Man so,ll es verstehn und annehmen für ein äußerlich göttlich Pfand und Siegel des ganzen Evangelii**). Also ist nütz, dies äußerliche Zeichen zu. empfahen, wenn wir der göttlichen Verheißung glauben, nämlich daß wir durch Lhristum Heil, Trost und Vergebung der Sünde haben. Das äußerlich Zeichen stellt Gott vor die leiblichen Augen und läßt uns sie (beim Abendmahl) essen, trinken und genießen, daß wir im Glauben erweckt und in der Erkenntnis Ehristi desto gewisser und stärker werden. Denn wenn uns Lhristus seinen Leib giebt, nimmt er uns an als Gliedmaß und zeigt gar tröstlich an, daß die Gnade und der Schatz uns gelten. Denn wie könnte sich Gott näher mit Gnaden und Güte zu uns thun, als wenn uns Lhristus seinen Leib giebt und wir seine Gliedmaß werden? Wenn wir aber im Abendmahl dies alles genießen, muß der Glaube da sein an die göttliche Verheißung und also durch solch äußerlich Zeichen und das Wort Trost und Erquickung empfahen. Es sind viel heftige, große Zwiespalt und Zänke von diesem Sakrament gewesen, und viel zänkische *) Ähnlich folgendes wort: „Der Glaube, davon die Apostel reden, ist nicht eine schlechte Erkenntnis der Geschichten, sondern ein stark, kräftig werk des heiligen Geistes, das die Kerzen verändert." Auch die Reformation sah Melanchthon als eine Geistesoffenbarung an. „Das Licht des Evangeliums ist uns nicht durch menschliche That zurückgegeben worden: Gott selber hat es wieder angezündet durch seinen Geist." (*539.) **) In der Augustana bezeichnet Melanchthon die Sakramente als Zeichen und Zeugnisse des göttlichen willens gegen uns. (Röm. q, \\ nennt Paulus die Beschneidung ein Zeichen und ein Siegel der Glaubensgerechtigkeit.)

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