Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 52 (1896)
- Issue
- 12 (1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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6 III. 21.: Guten Tag, mein Herr! Ich habe mich nach einem Wiedersehen förmlich gesehnt. Es ist mir inzwischen eigen gegangen. Ich meinte bisher, mittelst der Philosophie mich über die Religion erheben zu können. Jetzt verweigern auf einmal die philosophischen Flügel den Dienst, den ich von ihnen verlange. Es scheint, als ob ich ohne den religiösen Glauben doch nicht auskomme. 23.: Im Herzen eines jeden Israeliten ruht, so sagt man, eine starke Glaubenswurzel. Sie kann nie ganz ausgerissen werden und kommt daher auch bei Ihnen wieder zum Vorschein. 2t.: Dieser Tage fiel mir ein Ausspruch Iesaias in die Hände, der mich wunderbar ergriff: „Er ist ein heiliger und eifriger Gott, der der Sünde und Miffethat nicht schonen wird" (2^, $). 23.: Das Wort dieses Propheten stimmt ganz genau überein mit dem Selbstzeugnis Gottes bei Gelegenheit der Gesetzgebung auf den« Sinai: „Ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifriger Gott, der da heimsuchet der Väter Missethat an den Rindern bis in das dritte und vierte Glied, die mich Haffen" (2. 21?ofe 20, 5). 2t.: Wenn der Gott der Bibel der wahre Gott ist, so bedarf ich einer Arzenei gegen die Sünde. B.: Jawohl, denn die Sünde ist eine Krankheit. Aber sie ist auch ein Verbrechen, das wieder gut gemacht werden »nutz: darum bedürfen Sie einer Sühne. A. : Von der Sühne sprachen Sie ja schon früher. Nach orthodoxer jüdischer Lehre ist der Jom Kippur der Tag, an dem die Sünden alljährlich gesühnt werden. B. : Der Tag als solcher sühnt nicht. A.: Nein, natürlich muß man selbst etwas thun: fasten, beten, Almosen geben. 23.: Alles das ist nicht genug. Auch das an vielen Orten übliche Hahnenopfer genügt nicht. Ein anderes Opfer muß da fein. A. : Im >L. Jahrhundert brauchen wir doch keine blutigen Opfer mehr! B. : Ein göttlicher Rechtsgrundsatz lautet: „Ohne Blutvergießen keine Vergebung." A. : Wollen Sie im Ernst die alte Gottesdienstordnung erneuern? B. : Die Tieropfer der alten Zeit waren Vorbilder des größten Opfers, welches je auf Erden stattfand: der Selbstdahingabe des Sohnes Gottes. Sein Blut sühnt die Sünde. Der Glaube an den getöteten Messias und die aus solchem Glauben hervorgehende Bitte: „Gott, wasche mich wohl von meiner Missethat und reinige mich von meiner Sünde durch das Blut deines Sohnes!" (Pf. 5H \. Ioh. \, 7) — das ist der Weg zur Erlösung. A.: Haben Sie sich einmal mit dem Leben Jesu von Strauß befaßt? Dieser Mann weist ja in der Geschichte Ihres Religionsstifters überall Dichtungen nach.