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Dibre Emeth · 1896-01-01 · 12 (1896) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
52 (1896)
Issue
12 (1896)
Date
1896-01-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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5 von Jugend auf/' oder Davids Seufzer j)s. 5\: „Siehe, ich bin aus sündlichem Samen gezeuget," oder Salomos Rlage Rön. 8: „Ls ist kein Mensch, der nicht sündiget/' oder Hiobs Frage Hiob „Wer will einen Reinen finden bei denen, da keiner ist?" oder Iesaias Bekenntnis Ies. 6$: „Sind wir doch allesamt wie die Unreinen, und alle unsere Gerechtigkeit ist wie ein unflätig Rleidl" Wie ein ausdrücklicher Widerspruch gegen die von Ihnen angeführte Stelle des jüdischen Gebetbuchs lautet ein Vers von Sprüche 20: „Wer darf sagen: Ich bin rein in meinem Herzen und lauter von meiner Sünde?" Im Neuen Testament finden Sie z. B. Rom. 3, 5 und 7 Aussagen über die Sünde, die mit denjenigen des Alten Testaments völlig im Linklang stehen. Gamliels des Alten größter Schüler ist ebensowenig wie David ein präexistenzianer, vielmehr ein Traducianer. Lr glaubt nicht an eine ursprüngliche Reinheit der Seele, sondern an eine Fortpflanzung der Sünde von Geschlecht zu Geschlecht, denn er erklärt, daß durch Linen Menschen Sünde und Tod in die Welt gekommen seien. A. : Diese Anschauungsweise scheint mir übertrieben zu sein. Abgesehen von den Bewohnern der Strafanstalten, sind wir Menschen doch nicht geradezu halbe Teufel. B. : Hier kommt alles auf den Maßstab an, den man bei der Beurteilung anwendet. Dem Rinde erscheint groß, was für den Lrwachsenen klein ist. Wer dem so oft irrenden und schwachen natürlichen Gewissen gehorcht, wird manches Böse nicht in seiner wahren Gestalt erkennen. Wer aber die positive Offenbarung in der Bibel befolgt, wem daher das Gewissen Zeugnis giebt im heiligen Geist, der wird überall ungeheure Abstände zwischen dem göttlichen Gesetz und dem menschlichen Verhalten, also große und schwere Sünden, Beleidigungen der höchsten Majestät, Herausforderungen des göttlichen Zornes, erkennen. Um so mehr wird ein solcher dann auch danach trachten, von der Sünde frei zu werden. A. : Ich denke, bei dem, was Sie Sünde nennen, muß die Lrziehung die Befreiung bringen. Ich präge meinen Rindern sittliche Grundsätze ein und mache sie so zu braven Menschen. B. : Wenn nur die Grundsätze festblieben! Man kann ein heranwachsendes Rind nicht auf einen Isolierschemel setzen, ganz abgesehen davon, daß es selbst bei völliger Vereinzelung die Sünde immerdar in sich tragen würde. Ls steht im Zusammenhang mit andern, und oft ist unter diesen andern ein Verführer, der seine Lust daran findet, dem jungen Menschen das gute Lrbe des Vaterhauses zu rauben. Überdies haben sittliche Grundsätze keine sühnende Rraft. Die Befreiung von der Sünde muß vor allem dadurch erfolgen, daß diese gesühnt, daß ihre Schuld bezahlt wird. Lrst nach der Tilgung der vergangenen Sünde kann die Macht der gegenwärtigen gebrochen werden. A. : Ls thut mir leid, daß ich Sie hier verlassen muß. Meine Zeit ist abgelaufen. Ich hoffe übrigens, unser heutiger Spaziergang war nicht der letzte. Wann kann ich Sie Wiedersehen? B. : Wenn es Ihnen recht ist, erwarte ich Sie über acht Tage zur selben Zeit am selben Ort.

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