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Dibre Emeth · 1896-01-01 · 12 (1896) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
52 (1896)
Issue
12 (1896)
Date
1896-01-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Erden nicht mehr allzu wohl fühlen: daher werden Arankheit, Hagelschlag, Erdbeben und andere Übel über uns verhängt. A. : Spinoza wollte von einer Verpflichtung des Menschen durch einen höheren Willen und daher auch von der Sünde nichts wissen. B. : Jawohl, für ihn waren gut und böse gleichbedeutend mit nützlich und schädlich. Aber die Autorität Spinozas ist für mich nicht maßgebend. A. : Er war doch ein großer Philosoph. B. : Er hatte einen naiven Glauben an den Verstand, wie man mit Recht von ihm bemerkt hat. Die Ergebnisse seiner Forschungen hielt er für unumstößliche Wahrheiten; in Wirklichkeit sind sie doch nur subjektive Meinungen. A.: Aber wo findet man etwas anderes? Wo stoßen wir aus objektive Wahrheiten? 23.: In dem heiligen 23uch, zu dem ich Sie schon vorige Woche hinzuführen suchte. Die Bibel beglaubigt sich an jedem empfänglichen Kerzen als eine Botin des Fimmels. Wenn Spinoza und andere Philosophen die Lehren der heil. Sckrift mit ihren eigenen Lehren verdrängen wollen, so erscheinen mir diese Männer wie Abenteurer, die in eine Familie eindringen, um die Ainder von der treu für sie sorgenden Mutter abwendig zu machen. Nach der Bibel ist der Mensch mit Sünde, mit einem schweren Makel gegenüber dem heiligen Gott, behaftet, solange er lebt. Nach ihr wird er schon mit der Sünde geboren. A. : Das widerstreitet der jüdischen Lehre. Aus der Zeit, wo ich noch Tephillin legte, erinnere ich mich der Worte des Gebetbuchs: „Mein Gott, die Seele, die Du in mich hineingegeben hast, ist rein." B. : Ganz recht, Hier hat das jüdische Gebetbuch einen heidnischen Bestandteil. A. : Wie sollte dieser Satz heidnisch sein? B. : Er geht auf die Lehre der alten Inder, des Pythagoras und des Plato von der Präexistenz der Seele, von ihrem unbefleckten Dasein vor der Geburt des Menschen, zurück. Die jüdische Theologie ließ sich seit dem 2. Jahrhundert v. Ehr., in welchem das präexistenzianisch gefärbte Buch der Weisheit geschrieben wurde, in diese heidnischen Gedanken mehr und mehr hineinziehen. Besonders trug der Alexandriner philo zu ihrer Verbreitung viel bei. Wie das Gebetbuch, so zeigen auch Talmud und Midrasch den schädlichen Einfluß derselben. A. : Warum nennen Sie ihn schädlich? B. : Weil dieser präexistenzianismus die Erkenntnis der schweren Arankheit, unter welcher die Menschheit daniederliegt, trübt und also auch das Verlangen nach Heilung schwächt. A. : Sie glauben demnach, daß das menschliche Wesen bei allen Menschen ganz und gar entartet ist? B. : Ja, das ist die Lehre der göttlichen Offenbarung. Die Bibel zeigt uns die ganze Tiefe unseres Verderbens. Schonungslos zieht sie den Schleier weg, der den Aussatz bedeckt. Nehmen Sie z. B. Worte wie Mose 6 und 8: „Das Dichten des menschlichen Herzens ist böse

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