Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 52 (1896)
- Issue
- 12 (1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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die wahre Todsünde des Rechts sei, der Verratdes Rechts an sich selber. Ich meine, daß es kein traurigeres Schauspiel giebt, als die Verachtung der Bibel durch einen Israeliten. A. : Sie gebrauchen als Thrist das Wort ,,Bibel" in einem andern Sinne als ich. Ich könnte ja doch nur wegen meiner ablehnenden Haltung gegenüber dem sog. Alten Testament verantwortlich gemacht werden. Das Neue Testament geht mich nichts an. B. : Auch das Neue Testament ist für Sie da. Das Neue ist die stärkste Stütze für das Alte, weil es die Vollendung der dein Volke Israel zuteil gewordenen außerordentlichen Gottesoffenbarungen darstellt. A. : Ihr Neues Testament ist ja nur eine Sammlung von Tendenzschriften. B. : Sehr richtig. Und zwar verfolgen alle diese Schriften die edle Tendenz, die Menschen selig zu machen, indem sie ihnen die höchsten Offenbarungen der göttlichen Liebe zeigen. A. : Hören Sie! Das geht mir zu weit. Vorläufig stehe ich sowohl den ordentlichen als den außerordentlichen Offenbarungen Gottes zweifelnd gegenüber. Hier ist ein Scheideweg. Ich muß mich nach rechts wenden. Leben Sie wohll B. : Nehmen Sie noch eine Bitte mit, ehe wir auseinander gehen! Denken Sie einmal recht gründlich über das nach, was wir miteinander besprochen haben! Vielleicht kommen wir uns dann etwas näher, als wir uns heute stehen. Tine Anleitung zu solchem Nachdenken giebt Ihnen die Drucksache, die ich Ihnen vorhin eingehändigt habe. II. A. : Da laufen Sie mir ja gerade in den U)eg! Soeben habe ich noch an unser Zusammentreffen vor acht Tagen gedacht und Ihren Worten nachgesonnen. B. : Das freut mich, und ich danke Ihnen, daß Sie die Bitte, mit der ich neulich von Ihnen Abschied nahm, erfüllt haben. A. : Ich kann nicht leugnen, daß der kosmologische Beweis für das Dasein Gottes, auf den Sie mich aufmerksam machten, eine gewisse Bedeutung hat. B. : Von allen Beweisen der Art besitzt er vielleicht die größte Überzeugungskraft. Diese konnte ihm auch die Aritik Aants nicht nehmen. A. : Aber ein Bedenken erhebt sich alsbald. Nehmen wir an, die Dinge wären nicht von selber entstanden, sondern zu einer bestimmten Zeit von einem göttlichen Wesen geschaffen worden: woher stammt dann die große Zahl der Hemmungen und Störungen, die uns in der Natur überall begegnet? B. : Wer ruft in einem Staatswesen die Polizei, die Gefängnisse, die Gerichtsstätten ins Leben? A.: Das thun die Verbrecher. B: So hat die ganze Welt ihre ursprüngliche schöne „Ordnung eingebüßt, weil und seitdem die Menschen Sünder, d. h. Übertreter des göttlichen Gesetzes, geworden sind. Wir dürfen uns jetzt auf