Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 52 (1896)
- Issue
- 12 (1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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2 B.: Wie, mein Herr? Das wagen Sic hier, unter freiem Himmel,;u sagen? Angesichts der Wunderwelt, die uns umgiebt, des blauen Firmaments, von dem die goldigen Sonnenstrahlen in das anmutige grüne Dickicht dieses Gartens eindringen, wollen Sie das Dasein Gottes leugnen? A. : Eine lVunderwelt sehe ich hier nicht. Alles ist ganz natürlich zugegangen. Insonderheit haben wir die Reize dieser Anlagen lediglich der Verwaltung des Tiergartens zu verdanken. B. : Aber woher stammen denn die Aräfte und Stoffe, welche der menschliche Geist geleitet hat? A. : Die sind vor Iahrmillionen von selbst entstanden. B. : Gs kommt bei einem Glauben alles auf den zureichenden Grund anl Jetzt muß ich die ernstliche Besorgnis äußern, daß auf Ihrer Seite der Grund nicht zureicht, Wie kann sich ein scharf und klar denkender Geist mit der materialistischen Lösung der Welträtsel zufriedengeben? Von selbst entsteht nichts. Eine höhere Macht muß das Weltall geschaffen haben. Die Naturgesetze gehen ebenso wie das Sittengesetz des Gewissens auf einen göttlichen Gesetzgeber zurück. A. : Die Naturforscher sind ja ohne Ausnahme Materialisten. B. : Da irren 5ie sich. Aopernikus, Aepler, Newton, Linus, Benzenberg, Wiegand, Martius, also hervorragende Gelehrte, glaubten an das Walten des persönlichen Gottes in der Natur. A. : Diese Leute waren eben noch in Vorurteilen befangen. B. : Auch der berühmte Astronom Mädler unterwarf sich unbedingt den Zeugnissen von Gottes Dasein und Herrlichkeit, welche uns die Natur darbietet. „Gin echter Naturforscher," sagte er einmal, „kann kein Gottesleugner sein. Wer so tief wie wir in Gottes Werkstatt schaut und wie wir Gelegenheit hat, Gottes Allweisheit und ewige Ordnung zu bewundern, muß in Demut seine Aniee vor dem Walten eines höheren Geistes beugen." A. : Das ist mir neu, was Sie über Mädler sagen. Jedenfalls hatte er nicht den beschränkten Gott der Bibel iin Auge. B. : Noch einmal muß ich Ihnen widersprechen. Der Gott, den Mädler in den Gestirnen fand, war kein anderer als der Gott der Bibel. Als Mädler in Hannover einen Wohnungswechsel vornahm, trug er selbst seine Bibel in das neue Haus. Dabei sagte er: „Vor allem andern soll dies Buch zuerst in unser Haus kommen. Ich will es selbst hineintragen." A. : Gin solcher Standpunkt ist mir unbegreiflich. Wissen Sie, daß ich eigentlich ein Israelit bin? B. : Ich habe es vermutet. A. : Ja, meine Gltern waren strenggläubige Juden, und ich selbst zahle immer noch meine Aultussteuer. Aber das ist auch alles, was mich an die Synagoge bindet. B. : Als ein Glied des Volkes, dem die Menschheit die Bibel verdankt, sollten Sie ein Schüler und Verteidiger der Bibel sein, statt sie zu meistern und zu bekämpfen. Der Rechtslehrer Ihering war der Ansicht, daß der Rechtsbruch durch die von Gott gefetzte Obrigkeit