Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 52 (1896)
- Issue
- 12 (1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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92 ein Rabbiner Ihnen die Wahrheit sagen, wenn er selbst nicht glaubt? Wie kann er Ihnen erklären, was er selbst nicht weiß oder vielmehr nicht wissen will? Begnügen Sie sich mit dem Worte Gottes! Lesen und forschen Sie und bitten Sie Gott um Weisheit, so werden auch Sie zum Verständnis gelangen." In Jaffa beobachtet Missionar Hanauer bei manchen ein Schwinden des Glaubens an einen persönlichen Messias. Messianische Stellen deutet man um. Eine Gelegenheit zum Vortrag der richtigen Auslegung gab u. a. folgender Vorfall: Gin Rnabe war beim Baden ertrunken. Bei seiner Beerdigung rühmte der Lehrer des Verstorbenen dessen Betragen und wandte auf ihn Ies. 53 an. Gr sagte, der Anabe sei als Sühnopfer für die Gesamtheit gestorben. Infolge dieser Rede kamen manche Juden in den Bücherladen der Mission, um das wenig bekannte Rapitel zu lesen und zu hören, wie es christlicherseits aufgefaßt werde. Der Laden hat einen Raum, in dem man von den Besuchern nicht gesehen werden kann. In dieser verborgenen Gcke werden oft stundenlang religiöse Gespräche mit solchen geführt, welche nur im Geheimen zu forschen wagen. Auch in Jerusalem zeigt sich viel Menschenfurcht. Gin großes Hindernis bereitet der Mission die Ghaluka. Gigentümlich berührt die Nachricht, daß ein Aranker, welcher die wenigen Piaster in der Woche für ein Bett im jüdischen Hospital nicht bezahlen konnte, von Juden den Rat erhielt, ins Missionshospital zu gehen. Gine Jüdin gab der Missionarin ihr Friedensbedürfnis mit den Worten zu erkennen: „Ich möchte alles hingeben, um den Frieden zu erlangen, den Sie offenbar besitzen." Gin gelehrter Talmudist wies ein Glied feiner Familie, welches über das Ghristentum spottete, zurück und sagte: „Ich betrachte es als eine Sünde, irgendeine Religion und besonders das Ghristentum zu verspotten. Das Ghristentum ist ganz und gar auf das Wort Gottes gebaut und hat eine Welt von Heiden zur rechten Erkenntnis des einen wahren Gottes bekehrt. Ich kenne das Neue Testament und fast alle Missionstraktate und sage: Alle Achtung vor der christlichen Lehre!" Unter den ff Getauften des Jahres war eine Frau aus Bukarest. Dieselbe that sich dadurch hervor, daß sie die Botschaft des Lebens mit außerordentlichem „Verlangen in ihr Herz aufnahm. Sie gewann hierbei die feste Überzeugung, daß Jesus nicht allein der Weltheiland, sondern ihr eigener Heiland sei. Missionar Segall erfuhr in Sidon, wohin er auf Missionsreisen schon früher gekommen war, daß der Sohn des dortigen Rabbiners von einem amerikanischen Missionar getauft worden sei und infolge dessen seine Heimat habe verlassen müssen. Von Angehörigen der amerikanischen Mission wurde dem jungen Ghristen ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt. Endlich noch ein Blick auf Afrika! Missionar Spiro in Algier hatte die Freude, vor dem ehrwürdigen, gelehrten Vorsteher des Rabbinerseminars daselbst in Gegenwart der Schüler von dem Stifter und Oberhaupt unseres Glaubens reden zu dürfen. Seither besuchte er das Seminar mehrmals. Gin Jude in Mogador bekannte dem dortigen Missionar, daß er in dem von diesem gekauften Neuen