Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 52 (1896)
- Issue
- 9 (1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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A Weitere Bekenntnisse von Abraham Geiger. Im November j[836 macht Geiger in einem Brief seinen Freund Dorenbourg auf das Leben Jesu von 5trauß aufmerksam. Gr nennt es „eine großartige litterarifche Erscheinung" und triumphiert: „Da ist dem Christentum der Garaus gemacht, und soviel es sich windet und drehet, es muß fallen!" (Allg. Z. d. I. W6, S. M.) Im Juli \Q%\ schreibt der jüdische „Reformator", das Christentum stehe schon längere Zeit und immer mehr an einer Arisis, und fügt bei: „Wir zweifeln gewiß nicht daran, daß es überwältigt wird." (A. a. O. 5. 32(.) ilbet noch in demselben Brief muß er wider Willen die Lebenskraft unserer Religion anerkennen. Gr seufzt darüber, daß die frohe Zuversicht in seinem Streben und Wirken nicht ausharren wolle. „Dies eben nagt an mir, daß ich nicht den Glauben habe, aus dem Judentum könne ein wahrhaft vollquellendes, die Geister durchdringendes und beherrschendes Lebendiges erstehen. Das Judentum hat gewissermaßen große tote Schätze, die von einer andern Hand gehoben werden müssen und dann ihren Reichtum den erstaunten blicken zeigen. Das Christentum hat . . ein vollpulsierendes religiöses Leben in sich getragen . . Das innere kernige Leben bleibt." Und dies Leben, welches nach Geigers richtiger Ginsicht dem Judentum abgeht, wird dem Christentum unter allen Stürmen erhalten bleiben. Dafür bürgt uns U7atth. 28, 20. Die Bedingung dieses Lebens aber liegt in der gläubigen Annahme der Grundwahrheiten, welche das Christentum besitzt, und welche Geiger leider als dessen „Grundirrtümer" bekämpfte. Jüdische KhromK. In einer Berliner Repräsentantenversammlung beantragte Prof. Lewin die Neuregelung des Thätigkeitsumfangs der Prediger und Kantoren. Er behauptete, daß die erzieherische Thätigkeit durch die Predigt von den Berliner Rabbinern zu wenig ausgeübt werde und daß für die eigentliche Seelsorge so gut wie gar nichts geschehe. Ebenso bemängelte er die Leistungen der Kantoren. Der Antrag wurde einer Kommission überwiesen. — Der VI. D. I. Gemeindetag, der am 2\. Juni in Berlin stattfand, beschloß die Begründung von Bezirks-Gemeindeverbänden und die allgemeine Einführung des jüd. Religionsunterrichts in Schulen, welche eine ausreichende Zahl jüdischer Schüler haben. — Die wiener jüdische Gemeinde zählt ^30 ooo Seelen. Sie hat ein Defizit von 56 ooo Fl. Die Kultusstener ergiebt $oooo Fl. Unter jo Mitgliedern ist \ Steuerzahler, der $ Fl. 50 Kr. entrichtet. Im ganzen sind ^30$ Steuerzahler vorhanden. Für gottesdienstliche Zwecke werden 5\ ooo, für Religionsschulen ^3 ooo, für Wohlthätigkeitszwecke 72 ooo Fl. verwandt. Jährlich treten q.00 Personen aus der Gemeinde aus. Zur Vergleichung dienen die Verhältnisse, der 80 ooo Seelen zählenden Berliner Gemeinde. Diese sind bedeutend günstiger. Überschuß: 250 ooo Mk. Kultussteuer: 9^0000 Mk. Auf je 5 Mitglieder entfällt \ Steuerzahler, der 57 Mk. zahlt. Im ganzen entrichten $235 Mitglieder die Steuer. Gemeindezuschuß für den Gottesdienst $0 ooo, für Religionsschulen \22 ooo, für wohlthätigkeit 62000 Mk. (eines höheren Betrages für Wohlthätigkeitszwecke bedarf es nicht, da die Berliner Anstalten reich fundiert sind). Zahl der jährlichen Austritte: 8O. — In Warschau starb Dr. mecl. L. Nathanson. Derselbe stand fast 25 Jahre an der Spitze der dortigen jüdischen Gemeinde, der größten der Welt. An seiner Beerdigung nahmen gegen $0 ooo Menschen teil. — Ein schwerer Schlag für die gesamte Iudenheit war der zu Alt-Gyalla (Ungarn) eingetretene Tod ihres großen Wohlthäters, des Barons von Hirsch. Das von demselben hinterlassene bewegliche vermögen beziffert sich auf ^$Mill. Francs. — Über die Passahfeier in Jerusalem berichtet ein dortiger Israelit im „Boten aus Zion" Altes und Neues.