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Dibre Emeth · 1896-01-01 · 9 (1896) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
52 (1896)
Issue
9 (1896)
Date
1896-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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72 Die Vorbereitung zu dieser Leier beginnt bei den Strenggläubigen zur Erntezeit des vorhergehenden Jahres. Damit das Material für die ungesäuerten Brote in keinerlei Berührung mit Sauerteig komme, kaufen sie den Weizen eines Landstücks auf dem Halm, ernten ihn selbst ein und dreschen ihn womöglich noch an demselben Tage oder sorgen im andern Lall für seine Bewachung. Der gedroschene Weizen wird an einem gründlich gereinigten Grt aufbewahrt und sodann in einer ebensolchen Mühle gemahlen. Die Matzen dürfen erst 5 Wochen vor Ostern von Bäckern, die von Rabbinern als zuverlässig bezeichnet sind, gemacht werden, wie reinen Weizen, so verlangt das Gesetz hierfür auch reines, von jedem Lebewesen freies Wasser, reine Gefäße, neue Bretter zum Wellen, die täglich einigemal abgehobelt werden, und neue oder doch ausgeglühte Backöfen, vor dem Lest werden die Däuser gefegt, die Thongefäße bei Seite gethan, die eisernen und kuxfernen Geschirre neu verzinnt und neue Gefäße angeschafft oder alte, die nur für den Paffahgebrauch bestimmt sind, hervorgeholt. Am Vortage des Lestes darf von jo Uhr an gesäuertes Brot nicht mehr gegessen werden, überhaupt nicht mehr im Hause sein. Etwaige Brotkrumen werden verbrannt. Nach der Reinigung des Dauses gehen die Insassen in ein Bad und ziehen ihre Leierkleider an. viele wandern sodann an die Klagemauer und lesen hier die Passahgeschichte, aber die meisten thun das letztere zu Hause, vor Sonnenuntergang begiebt sich alles in die Synagogen. Nach dem Gottesdienst folgt die häusliche Leier. Auf den weißgedeckten Tisch stellt man einen Teller, auf welchem sich 3 durch dazwischen gelegte Tücher von einander geschiedene Matzen befinden: je eine für den Priester, den Leviten und Israel. Auf diesen Teller stellt man einen zweiten, welcher einen aus Nüssen, Äpfeln, Zimmt u. s. w. hergestellten süßen Brei (Lharoseth), ferner Petersilie, Endivie, Lattich, Zwiebeln und andere bittere Kräuter (Merorim), endlich ein Stück gebratenes Lleisch mit einem Knochen und ein gebackenes Ei enthält. Jeder Teilnehmer empfängt einen Becher wein. Nach dem Segenssxruch des Hausvaters wird etwas wein getrunken und dann der Becher wieder vollgegossen, hierauf ergreift der Hausvater die paffahsxeisen und verliest die ganze Geschichte des Auszugs aus Egypten. Nachdem alle die Hände gewaschen haben, giebt er jedem ein Stück von den 3 Matzen und bittere Kräuter. Jetzt folgt das eigentliche Mahl, welches mit einem Becher Wein eingeleitet und nach den: Genuß der letzten Hälfte der dritten Matze ebenso, also mit einem dritten Becher, beschlossen wird. Bei dem Mahl werden außer den aufgelegten Speisen auch noch andere genossen. Die ganze Leier endigt nach Verlesung des Hohenliedes und bestimmter Psalmen mit einem vierten Becher. — Wie in Jerusalem, haben sich auch in Mogador (Marokko) manche alte Bräuche erhalten. So feiern die dortigen Juden alljährlich vom \8. Tamuz bis zum 9. Ab das Gedächtnis der Zerstörung Jerusalems mit Lasten, Beten und weinen. Täglich werden die Klagelieder Jeremias gelesen oder unter Begleitung einer Guitarre gesungen. Auch besucht man täglich die Lriedhöfe und besonders die Rabbinergräber. In den Däusern, in denen während der letzten 3 Jahre jemand gestorben ist, versammeln sich an jedem Abend Lrauen und Kinder um ein Klageweib, um mit anhaltendem Schreien den Toten zu betrauern, hierbei kratzen sie sich das Gesicht blutig. Ein Jude, der von unserm christlichen Gewährsmann an 3. Mose ^9, 28 erinnert wurde, sagte: „Allerdings verbietet das Wort Gottes diese Art der Trauer. Aber was können wir thun? Die Sache ist bei uns ein Gebrauch geworden, den wir nicht entbehren können." Am 9. Ab, einem strengen Lasttag, backen die Lrauen Kuchen, während die Männer den an diesem Tage stattfindenden Markt besuchen. Am jüdischen Neujahrstage zieht jede Synagogengemeinde mit ihrem Rabbi an die See. Alte und Junge schütteln dort die Säume ihrer Kleider und werfen zugleich kleine Steine ins Meer. So hoffen sie die Sünden des vergangenen Jahres loszuwerden. — Der am Mai ermordete §chah von Persien, Nassr-Eddin, hatte jahrelang einen jüd. Leibarzt. Dieser, Dr. Polack, aus Österreich gebürtig, starb schon vor seinem Herrn. Anzeige. Am 24. September, 8 Uhr abends, werden, s. G. w., die wöchentlichen religionswissenschaftlichen Donnerstagsvorträge im Brüdersaal zu Berlin, Wilhelmstr. \36, wieder beginnen. Der Zutritt steht jedem unentgeltlich frei._ Herausgeber: Prediger W. Becker, Lriedenau-Berlin, Hauffstraße *3. Verlag: Goßnersche Missionsbuchhandlung, Lriedenau-Berlin. Iahresxreis: 80 Pf. Druck von 3. Windolff, Berlin S.W., Lharlottenstraße 88.

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