Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 52 (1896)
- Issue
- 9 (1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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70 sich die Söfyne Israels heutzutage lange gegen den Eindruck der Thatsachen verschließen. Sie müssen viel hin;, und herziehen und vieles erleiden, ehe die im Kerzen kämpfende Überzeugung Thor und Riegel sprengt und mit Gewalt sich Bahn bricht: die Überzeugung, daß sie eine geheime Schuldenlast mit sich herumtragen, welche vordem großen Herrscher noch ebenso blutrot dasteht und so laut redet, wie an dem Tage, da sie gemacht ward, sodaß Er, wenn auch Jahrtausende dazwischen liegen sollten, von ihnen nicht lassen wird, bis sie dieselbe ganz und unumwunden gestehen. Gott muß die Ehre haben an Israel, daß das ganze Volk das Wort Judas ausspricht: „Gott hat die Missethat deiner Anechte gefunden." Das jetzige Geschlecht könnte vorschützen: „Wir sind unschuldig." Da läßt man aber außer Acht, daß Iehovah der Väter Missethat an den Aindern heimsucht. Man beachte es, wie Gott die Erzväter und Benjamin, den Jüngsten, den Unschuldigen, trifft! Man lerne daraus, daß das Volk vor Gott solidarisch verbunden ist! Die Sünde des Geschlechts, welches den größeren Joseph, Iesum, den Bruder, dem alle huldigen sollten, hinausstieß und verkaufte: diese Sünde hat das Volk seither gedrückt und wird es immer weiter drücken, bis es ausruft: „Das haben wir an unserm Bruder verschuldet!" Dann kann die Versöhnung stattfinden. Dann wird der himmlische Bruder, welchen die Schriftgelehrten seiner Zeit wegen seiner unendlichen Erhabenheit beneideten, welchen aber Gott zum Haupt über alle Völker erhob, Israels Ainder zu Gnaden annehmen. Dann werden die Völker, welche Er als die Rute in seiner Hand gebraucht hat, um seine Brüder zur Erkenntnis zu bringen, von aller Feindschaft ablassen. Dann werden das Haus Davids und die Bürger zu Jerusalem einen freien, offenen Born haben wider die Sünde und Ünreinigkeit. Das eine große Drama, welches vor der Welt gespielt wird, ist das Schicksal Israels. Der gefeite Held in demselben, immer von den Wogen des Unglücks bedroht und durch das Vertrauen auf die göttliche Vorherbestimmung ebenso oft errettet, sieht sich immer wieder vor dieselbe Ünbill gestellt. Die tragische Schuld, welche allen Augen, nur nicht den seinigen, offenbar ist, besteht in dem Verbrechen, welches er gegen seinen Bundesgott begangen hat. Das ganze Drama bildet ein höchst ergreifendes Trauerspiel. Aber dieses soll den herrlichsten Ausgang erhalten, sobald die Schuld gesühnt ist. Die Bedingung der Sühne wird von Mose klar vorgezeichnet: „wenn sie sich die Strafe ihrer Missethal gefallen lassen" (3. Mose 26, ^)- Der Verfasser dieses Aufsatzes war der am \2. Juni d. I. zu Edinburg entschlafene Missionsprediger Edward. Nur kurze Zeit währte sein Feierabend auf Erden, von dessen Anbruch wir vor einem halben Jahre berichteten. Die dankbare Erinnerung vieler folgt ihm in die Ewigkeit. Der obige Artikel, der zuerst in der „Frohen Botschaft aus der Freien Evangelischen Airche" erschien und von uns gekürzt wurde, zeigt die Eigenart der Edwardfchen Schriftbetrachtung.