Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 52 (1896)
- Issue
- 9 (1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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67 Niemand kann den Sinn dieser Geschichte ohne rechte Würdigung der Thätigkeit des höchsten erfassen. Die bestimmenden Momente gehen alle von Gott aus. Gott war es, der die Träume schickte, welche Josephs künftige Größe andeuteten. Gott war es, der Josephs Geist mit jener frühreifen Weisheit ausrüstete, welche ihn zum Liebling des Vaters machte und den Neid der Brüder hervorrief, hierbei müssen wir an den denken, dessen schwaches Vorbild Joseph war, der schon in seinem zwölften Jahre im Tempel die Aufmerksamkeit der Schriftgelehrten aus sich lenkte, während seine Mutter alles ihn Betreffende im Kerzen behielt und bewegte. Gott beherrschte weiter den Gang der Geschichte Josephs, so daß dieser nicht getötet, sondern an die Ismaeliten verkauft wurde. Gott war mit ihm in Egypten und führte alles, was ihn anging, zum glücklichen Ausgang. Gott ließ ihn in Berührung kommen mit dem obersten Schenken des Königs. Als Joseph diesem seinen Traum auslegt, bekennt er in Demut: „Auslegen gehört Gott zu." Wie tritt die Hand Gottes darin hervor, daß er dem j)harao in einem Traum die 7 fetten und die 7 mageren Jahre vorherverkündigte, und daß dessen Auslegung durch Joseph den Weg bahnte für Josephs Erhebung zur höchsten Stelle im Reichel Nachdem der höchste mit so fester Hand in alles Vorhergehende eingegriffen, dürfen wir nicht meinen, daß er die ferneren Hauptmomente unbeeinflußt gelassen habe. Der Geist und die Handlungen Josephs wurden vom Geiste Gottes in allem regiert. Joseph war ein auserlesenes Gefäß der Offenbarung des Herrn, um Israel Gottes Weife zu lehren, in weit höherem Maße, als ihm selbst bewußt war. Als die Brüder nach Egypten kommen und sich vor Joseph beugen müssen, offenbart sich hierin die göttliche Handlungsweise zur Unterweisung aller künftigen Geschlechter. Allerdings war es die göttliche Absicht, die heilige Familie durch Joseph während der Not zu versorgen, nicht weniger aber auch, sie unter die ernste Zucht zu bringen, welcher sie in Egypten unterworfen werden sollten. Wie es immer Gottes Weisheit angemessen ist, viele Ziele durch Eine Bewegung zu erreichen, so wollte er in dieser Geschichte solche Spuren derselben sich ausprägen lassen, welche Sein Verfahren und Seine Regierungsweise mit Israel selbst bis in die spätesten Geschlechter klar machen sollten. Über den bloß menschlichen Zügen in dieser Geschichte, welche durch ihre echte und wunderbar natürliche Art alle Gemüter ergötzen, schwebt der Geist Gottes, alles bildend und beherrschend, um uns die tiefen Lehren und ewigen Ratschläge, welche das Ganze mit übernatürlichem Leben und Kraft ausfüllen, zu offenbaren. Nachdem also die Handlung bei dem spannendsten Moment der Entwicklung angekommen ist, nämlich bei der Entdeckung des Bechers Josephs im Sacke Benjamins, dürfen wir es nicht unterlassen, das göttliche Element, welches allein den Schlüffe! zu den rätselhaften Vorgängen bietet, in Betracht zu nehmen. Das Wundervolk Israel steht vor uns in seiner vollkommensten Vertretung, in seinen Erzvätern, auf der großen Handelsstraße Egyptens verhaftet; es wird des Unterschieds und der Veruntreuung