Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 52 (1896)
- Issue
- 9 (1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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66 Gnade, Gewissensentlastung und Seelenfrieden zu erlangen, bedarfst Du, lieber Bruder, liebe Schwester aus Israel, des in Jesu erschienenen Mittlers. Fasten und Almosengeben und die Schlachtung eines Hahns oder einer Henne können kein Sühn- und Versöhnungsopfer für Dich sein: Heil ist nur beim Heiland zu erlangen. „wer dem Sohne nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm" (Ioh. 3, 36: 8, 2%). Sträube sich niemand dagegen, auf diesem von Gott selbst gebotenen Wege des Lebens zu wandeln I „Gin Mann, der, oft zurecht gewiesen, den Nacken verhärtet, wird plötzlich zerschmettert werden ohne Heilung" (Spr. 29, \). Begehrst Du Heil und Seligkeit, Vergebung Deiner Sünden? Du kannst sie nirgends weit und breit Als nur bei Jesu finden. Denn Jesus ist der heilige Christ, Der Israel geweiffagt ist. Als Christus, als Gesalbter, kann Cr Schuldbeladene retten, Lösen des Bösen schweren Bann, Zerreißen Sklavenketten. Der Feind erliegt, wie stark er sei: wenn Christus hilft, dann bist Du frei! Der Decher Josephs in Benjamins Zack (1. Mose 44). Cin prophetischer Wink zur Lösung der Iudenfrage. Die Geschichte von Joseph und seinen Brüdern hat für das einfachste Aind einen unvergleichlichen Reiz, regt aber zugleich den Weisesten an, die Tiefen der darin niedergelegten Gotteswahrheit zu erforschen. Ihre Zaubermacht verdankt sie dem Umstand, daß sie eine vom Fimmel geleitete und geoffenbarte Geschichte ist. Die Triebfedern des menschlichen Lebens kommen hier in jener Familie, welche einen so überwiegenden Einfluß auf die Geschicke der Welt ausüben sollte, derart an den Tag, daß sie die verhängnisvollsten Handlungen und Ereignisse der ganzen Zukunft erklären. Die Wendung fängt mit der Ankunft der Brüder in Egypten an und erreicht ihre Höhe mit der Entdeckung des silbernen Bechers im Sacke Benjamins. Es wundert uns nicht sehr, daß sich Joseph gegen seine Brüder fremd stellt, um so ihren Lharakter zu prüfen. Aber etwas unangenehm berührt es, daß er sie alle zusammen 3 Tage verwahren läßt und endlich den Simeors/ der sich wohl am grausamsten gegen ihn benommen hatte, gebunden bei sich behält. Man empfindet da eine gewisse Empörung gegen seine Härte, da er seinem alten Vater das schwere Opfer, auch den Benjamin von sich zu geben, und die damit verbundene Angst auferlegt. Vollends aber scheint er seine Rolle zu übertreiben, als er seine Brüder, die er durch seine Gastfreundschaft in die vertraulichste Stimmung versetzt hat, der Aual aussetzt, wie Verbrecher dastehen und ohne Benjamin zu ihrem Vater zurückkehren zu müssen. Die gewöhnliche Erklärung, nach der es Joseph nur darum zu thun ist, den Beweis dafür ablegen zu lassen, daß jetzt die Brüder gegen Benjamin nicht mehr so wie einst gegen den bevorzugten älteren Liebling des Vaters gesinnt sind, genügt uns nicht. Die ganze Anlage der wunderbaren Geschichte verlangt offenbar eine höhere Rkoral und eine geistlichere Bedeutung.