Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 52 (1896)
- Issue
- 9 (1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Monatsblatt für Israeliten und Freunde Israels. Mr. 9. — 52. Jahrgang. — 1886. Anhalt: Zum Join-Aippur. — Der Becher Josephs in Benjamins Sack (](. Mose 44). — weitere Bekenntnisse von Abraham Geiger. — Jüdische Lhronik. — Anzeige. Jam Jom-Kippur. Für viele Israeliten erlischt das religiöse Leben im Lauf des Jahres. Laden und Schreibstube, Familie, Gemeinde und Staat, Aonzert, Theater und Tanz nehmen alle Aräfte in Anspruch. Der Gedanke an Gott, den Schöpfer und Vater, den Gesetzgeber und Richter im Fimmel, geht in den alltäglichen Arbeiten und Sorgen und im Strudel der Vergnügungen unter. Auch Reisen, die aus dem gewöhnlichen Lebensgang hinausführen, führen in der Regel nicht in die Gemeinschaft mit Gott hinein. Da tritt der Jom-Aippur in den Areis der Alltäglichkeit ein mit seiner gewaltigen Mahnung zur Ginkehr in Gottes Haus, zur Umkehr von den Wegen der Sünde. Nur ganz rohe Gemüter können sich seinem Ruf entziehen. Auf die Mehrzahl übt er eine wunderbare Macht aus. Man beugt sich vielleicht nach langer Zeit wieder vor dem höchsten, dessen Vorschriften wir Gehorsam schuldig sind. Man trauert darüber, daß man den pflichtmäßigen Gehorsam vielfach nicht geleistet hat. Vor jedem, der gegen sich selber ehrlich ist, stehen nicht nur einzelne Übertretungen des göttlichen Gesetzes, sondern ganze Verkettungen von Sünden. Das Böse hat giftige Widerhaken, mit denen es sich in der Seele festsetzt. Jeder muß sich daher sagen, daß er mit seinem sündigen Wesen den höchsten Gesetzgeber tief beleidigt und dessen Strafen wohl verdient hat (vgl. 5. Mose 27,26; Gzech. j8, Röm. s, s8). Jeder muß wünschen, daß er das Böse wieder gut machen und Gottes Zorn abwenden könne. Der Jom-Aippur verweist aufs Gebet, als auf das Hauptmittel zur Erreichung dieses Zweckes. Aber so gewiß es ist, daß ohne ein Verlangen nach Hilfe und ohne ein Flehen um dieselbe von keiner Rettung die Rede sein kann (Jes. 55, 6), so gewiß ist es auch, daß das Gebet allein nicht zum Ziele führt. Gott hat einst durch die Anordnung der Feier dieses Tages gezeigt, daß man einer äußeren Vermittlung bedarf, um entsündigt und begnadigt zu werden. Gr hat dann durch die Propheten von dem Messias gsweiffagt, der am stelle des Aaronitischen Hohenpriesters zum Allerheiligsten gesalbt (Dan. 9, 2H: (. Thron. 23, (3) und zur Darbringung eines ewig giltigen Opfers in den Tod gesandt wird (Jes. 53). Diese Weissagung ist zur bestimmten Zeit in Erfüllung gegangen. Um Gottes