Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 52 (1896)
- Issue
- 8 (1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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62 er seine Kenntnis der rabbinischen Theologie. Er gewann auf diese Weise mehrere hundert Israeliten fürs Evangelium. Einer von seinen Zöglingen, ein Lehrer, der mit seiner ganzen Familie getauft wurde, hatte deswegen viele Verfolgungen zu erleiden und starb als ein Märtyrer seines Glaubens, nachdem er eine Anzahl Juden der Kirche zugeführt hatte. Ein anderer, der Sohn eines Rabbiners, wurde von seinem Vater nach Westindien gesandt, um dem christlichen Einfluß entzogen zu werden, trat aber dennoch nach seiner Rückkehr zum Lhristentum über. Besonders merkwürdig ist das Verhältnis Edzards zu dem Oberrabbiner der portugiesischen Iudengemeinde zu Hamburg, David Eohen de Lara. Der Schreiber ds. besitzt eine von Lohen verfaßte Zusammenstellung rabbinischer Wörter, die sich im Griechischen und in andern europäischen Sprachen wiederfinden. Wichtiger ist das talmudisch-rabbinische Lexikon des jüdischen Gelehrten. Ein Mitarbeiter an diesem Werk war Edzard, der sich als junger Mann auch von Lohen hatte unterrichten lassen. Der ehemalige Schüler wurde aber nicht nur ein Gehilfe, sondern in Einer Hinsicht ein Lehrer seines Meisters. Er bezeugte ihm vielfach die christliche Wahrheit, und der Israelit kam dieser immer näher. Vor seinem Tode ließ der Oberrabbiner Edzard rufen und hörte von ihm noch einmal, daß ein Sünder nur durch Iesum Lhristum gerechtfertigt werden kann. Leider besiegelte er seine Hinneigung zum Lhristentum nicht durch einen förmlichen Übertritt. Dagegen ließ sich später ein Jude taufen, welcher bei der letzten Unterredung zwischen Lohen und Edzard zugegen gewesen war. Aus der von Edzard gegründeten Kaffe wurden zu seinen Lebzeiten bedürftige proselyten unterstützt und die Kosten der Herstellung von Missionsschriften bestritten. Nach seinem Tode verwalteten die Hinterbliebenen Söhne sie im Sinne des Vaters. Als der Mannesstamm der Familie ^76^ erloschen war, übernahm der Senat die Aufsicht über die Stiftung. \86\ wurde die Verwaltung der Kasse neu geregelt. Und so ragt dies Denkmal erbarmender Liebe zu Israel in unsere Tage herein: von dem seltenen Mann, den Hamburg vor 200 Jahren in seinen Mauern barg, erzählend, aber auch zu gleicher Bethätigung des Gehorsams, den wir dem Missionsbefehl des Heilands schuldig sind, ermahnend. Daß der wahre, d. h. der im Evangelium wurzelnde jDhilosemitismus mit der verwaschenen, marklosen Iudenfreundschaft, welche in gewissen Kreisen das große Wort führt, nichts zu thun hat, bezeugt gerade auch die Geschichte Edzards. Wer in Lhristo die Israeliten liebt, verschließt die Augen nicht vor den religiösen Unterschieden. Diese sind ihm nicht gleichgiltig, sondern schmerzlich. Er wünscht von ganzem Herzen, daß die Kinder Abrahams nicht noch länger die große Einbuße erleiden, welche von der Bekämpfung des christlichen Glaubens unzertrennlich ist. Deshalb wird er nicht müde, ihnen die einzelnen Sprossen der Himmelsleiter zu zeigen, welche es uns ermöglicht, zu dem Lohne und dem Throne Gottes zu gelangen. Weitere Nachrichten über Edzard und seine Stiftung findet man bei I. de le Roi, „Die ev. Lhristenheit und die Juden," Bd. I. u. II