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Dibre Emeth · 1896-01-01 · 4 (1896) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
52 (1896)
Issue
4 (1896)
Date
1896-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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26 ins Leben erfolgen sollte. Jesu Wort: „Ich will nach dreien Tagen auferstehen" (im Urtext findet sich die Form der Gegenwart: „Ich werde nach 3 Tagen auferweckt") zieht sich durch die ganze Ostergeschichte hindurch, wie eine in die Tiefen des Gemüts eindringende, die wurzeln unseres Lebens erfassende Melodie unter den mannigfaltigsten Tonveränderungen eines herrlichen Musikstücks sich wieder und wieder Bahn bricht und geltend macht. Die Ostergeschichte ist die in 3 Rapitel zerfallende Geschichte jenes Wortes. Der Haß bedenkt's, die Liebe vergißt's, die rechte Hand des höchsten macht es zur Wirklichkeit. wie der Haß das angeführte Wort des Erlösers bedenkt, sehen wir Matth. 27, 62 ff. Der Hoherat erscheint vor Pilatus mit der Bitte : „Laß Jesu Grab bewachen!" Es ist Ostersonnabend, also Labbath. Trotzdem gönnen sich die Hohenpriester und Pharisäer keine Ruhe. Mit Zentnerschwere ist ihnen das Wort des Hingerichteten Nazareners von seiner Auferstehung aufs Herz gefallen, wer weiß, ob nicht dies Wort zur heimlichen wegnahine seiner Leiche und schließlich zu einem neuen Erwachen der soeben glücklich unterdrückten gewaltigen Volksbewegung führt? Die Ratsherren haben ein gutes Gedächtnis. Ihr Haß hat den bedeutsamen Ausspruch nicht vergessen und handelt demgemäß. Aber gehet nur hin, ihr Führer Israels, und lastet das Grab, in welchem euer Opfer den Schlaf des Todes schläft, mit den stärksten und tapfersten Rriegsleuten des römischen Statthalters verwahren! Versiegelt nur den Stein, welcher bei der Beisetzung der entseelten, bleichen Hülle vor den Eingang der Gruft gewälzt wurde, mit eurem Amt-siegel! Es wird doch alles vergeblich fein. Ihr beschließet einen Rat, und es soll nichts daraus werden. Ihr vollführet eine Thal, und der höchste wird sie vereiteln. Meinet ihr, daß Menschenlist uud Menschenkraft imstande sind, den Eingeborenen des himmlischen Vaters im Grabe festzuhalten, wenn seine Stunde gekommen, wenn der Tag der Erhöhung und Verherrlichung nach den Jahren der Entmündigung und Entwürdigung angebrochen ist? Eher könnte eines Rindes Mund der Regenwolke verbieten, ihren wafferstrom auf die Erde auszugießen, und eher könnte eines Rindes Hand dem Donner wehren, daß er nicht mit seiner Riesenstimme alle Stimmen des Tages übcrtänt, oder den Blitz zwingen, daß er nicht mit seinem Zickzack die nächtliche Finsternis durchleuchtet. Auch heutzutage hat der Haß oft ein überraschend gutes Gedächtnis für das, was Jesus gesagt hat. Der Einfluß, den des Erlösers Worte in der Welt ausüben, ist so groß, daß man ihn auch Widerwillen anerkennen muß. Und so werden seine Aussprüche von manchen seiner Feinde mündlich oder schriftlich angeführt und erörtert. Leute, die Ehristen sein wollen, fälschen und mißdeuten sie: der Haß dagegen bewahrt ihren ursprünglichen, echten Sinn. Ebenso verhält es sich mit gewissen Lehrstücken des Neuen Testaments, z. B. der Gottheit des Erlösers, der Persönlichkeit des heiligen Geistes, der Dreieinigkeit des göttlichen Wesens, der Freimacht der göttlichen Gnade. Sogenannte Ehristen nehmen ihnen ihre Schärfe: offene Feinde des Ehristentums stellen sie in Übereinstimmung mit denen dar, welche diese Lehren

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