Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 52 (1896)
- Issue
- 3 (1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Revolution mit den Worten: „Böse Agitatoren haben die Bürger damals aufgehetzt." Aber der hohe Herr ließ diese Ausrede nicht gelten. Trust und vorwurfsvoll fragte er: „Wo blieben denn die guten Agitatoren?" An bösen Agitatoren, welche Wahrheit und Liebe bekämpfen, Lüge und Haß predigen, ist auch heute kein Mangel. Mit Kühnheit verfolgen sie ihre Absichten. Diese Entschlossenheit zum Bösesthun begegnet aber auf unserer Seite oft einer unbegreiflichen Verdrossenheit zum Gutesthun. Viele Christen können es ruhig ansehen, wie man für das Reich der Finsternis von Tag zu Tag mehr Boden erobert. Lassen wir uns doch nicht länger dazu herbei, die unwürdige Rolle zu spielen, im großen Kampf der Geister müßige Zuschauer zu sein I Hinweg mit der Lauheit, welche dem gewaltthätigen Treiben der Bösen kein Hindernis in den Weg stellt! „Wer die Wahrheit kennt und sagt sie nicht: der ist fürwahr ein erbärmlicher Wicht." Seien wir Agitatoren in gutem Sinne! Agitieren wir unter Thristen und Israeliten für das Gute! Das Gute ist das Göttliche. Dieses aber hat sich in Jesu Lhristo verkörpert (Kol. 2, 9). In Jesu Lhristo allein ruht auch die Kraft, dem Guten zum Siege über das Böse zu verhelfen ((. Ioh. 5, q; Off. \2, ll). Man kann also kein guter Agitator sein, wenn man nicht auf dem von Gott selbst in seinem Wort gewiesenen Wege dem Guten nachjagt. Für das Gute agitieren heißt: mit Thristo für Thristum agitieren. O, wie bald würde die Welt ein anderes Aussehen erhalten, wenn jeder aufrichtige Thrist sich willig finden ließe, mit Thristo für Thristum zu agitieren! Nur der, welcher seinen christlichen Glauben thatkräftig zu beweisen vermag, hofft nicht vergeblich auf des Glaubens Ende, der Seelen Seligkeit. Professor Jul. Müller-Halle über Toleranz. Der Geist des Thristentums will, daß unter seinen Jüngern sich jeder liebend um den andern bekümmere in Bezug auf sein Seelenheil. Der Geist der Zeit dagegen steht ganz auf dem Grundsatz, daß jeder für seine Seligkeit und seinen Glauben nur selber zu sorgen und kein anderer sich darum zu kümmern habe, wie es in dieser Hinsicht mit ihm stehe. 5o verstehen die Kinder dieser Zeit namentlich die Tugend der Toleranz: es gebe allerlei Wegs zu Gott, und jeder möge den Weg, den er erwählt habe, wandeln, aber den, der einen andern gewählt habe, ruhig und unbekümmert den seinen gehen lassen. Dadurch wird denn die Toleranz entweder zur skeptischen Überzeugungslosigkeit, die an keine objektive Wahrheit glaubt, sondern bloß von subjektiven Meinungen wissen will, oder zur empörendsten Lieblosigkeit. Denn hat jemand in Dingen, die die,, ewige Wahrheit und das Heil der Seele betreffen, eine wirkliche Überzeugung gewonnen, so kann er, wenn nur ein Funken Liebe in ihm ist, die Entbehrung dieser Erkenntnis, dieses Glaubens oder wohl gar den prinzipiellen Gegensatz dagegen bei dem andern, an den er sonst durch die Verhältnisse gewiesen ist, nicht gleichgültig ansehen: er muß dringend und lebhaft wünschen,