Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1896-01-01 · 2 (1896) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
52 (1896)
Issue
2 (1896)
Date
1896-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2554541-2555048-2555050--09554-2565722
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

15 selbst können wir mit einem Psalm eintreten. Das beil. Land der Psalmen ist ein gutes Land, wo Milch und öonig fließt. Aber es bietet seine Frucht nur denen dar, die seine Hügel und Thäler lieben. Nur der heil. Geist giebt uns den Schlüssel zu Davids Schatzkammer, und auch er reicht ihn eher der Erfahrung als dem Studium. (£. H. Spurgeon.) 2. Bei den Hugenotten in Frankreich lernten die Rindlein die Psalmen auswendig auf dem Schoß der Mutter, der Verlobte schenkte sie der Braut als teuerstes Gut, der Sterbende druckte sie ans Herz, und die Märtyrer stimmten sie an auf dem Wege zum Scheiterhaufen. (Fr. presset.) 3. Die Psalmen Davids, diese unsterblichen Lieder, welche Jahrhunderte lang die Sehnsucht und Anbetung des Alten Bundes zum Fimmel getragen und auf den Lippen des menschgewordenen Gottessohnes eine unaussprechliche weihe empfangen haben, sollten auch tm Neuen Bunde den Grundakkord jenes hehren Golteslobes bilden, welches die erlöste Menschheit unaufhörlich dem Allerhöchsten darbringt. __ (<£. Rniel.) Zn Malm 102, 8 u. 13. Ls war ein trüber Tag, der Regen goß in Strömen vom Fimmel, und auch auf das Gemüt der Menschen legte es sich wie ein Nebel. Ich stand am Fenster und schaute hinaus. Da sah ich mir gegenüber auf einer hohen Dachfirst ein Vöglein sitzen. Trübselig zusammengeduckt, saß es auf einem Bein da unter dem strömenden Regen. Nur zeitweilig drehte es das Köpfchen und spähte umher, wer in der ganzen, großen Stadt hatte einen Gedanken für dies arme, verlassene vöglein? Siede, da fliegt auf einmal ein anderer Vogel herzu und bewegt sein Köpfchen gegen das erste Tierchen. Gleich darauf fliegen beide zusammen davon und schlüpfen in einen leeren Staarenkasten. Jedenfalls hatte der zweite Vogel, wie der erste ein Sperling, den Kasten entdeckt und seinen Kameraden dorthin gelockt. — Es giebt in jedem Menschenleben Tage, wo das Herz seine Hilflosigkeit und Einsamkeit empfindet. Aber sei getrost! Gott, ohne dessen willen kein Sperling vom Dach fällt, gedenkt Deiner und sendet Dir Hilfe. Er naht Dir im heil. Geist und läßt Dir von einem sichern Bergungsort sagen: von dem ewigtreuen Kerzen Deines Erlösers. Es ist nicht auszusagen, in welch' zarter, inniger weise der HErr die Menschenkinder lockt, die einsam und elend sind. Je mehr wir Gehör geben, desto deutlicher wird uns Gottes Stimme, wahrhaft glücklich ist, wer Iesum gefunden und in seinen Wunden Heil und Leben erlangt hat. (Nach dem ,,Pilger zur Heimat.") Zu Matth. 26, 39. Eine schwere Probe im Zufriedensein mit Gottes willen halten ein Hofbauer in Marienberg und seine Frau zu bestehen, während die letztere in der nächsten Stadt weihnachtseinkäufe machte und der Mann im Walde beschäftigt war, ertranken die beiden Kinder des Ehepaares, ein Knabe von \o und ein Mädchen von 8 Jahren, in einem See. Als der Bauer nach seiner Rückkehr die Leichen aus dem Wasser gezogen und ins Haus gebracht hatte, schloß er sich eine Stunde lang ein, um sich ausznweinen. Dann wusch er sich und ging seinem Weibe entgegen. Bald traf er auf die mit allerlei Schätzen Beladene. Er suchte nun seine Traurigkeit zu verbergen und fragte die Frau nach ihren Einkäufen. Dann sprach er zu ihr: „Sage mir, liebes Weib, wie würdest Du einen Menschen zufrieden stellen, der ein verlorenes Kleinod beweint, welches er weder mit Geld noch auf andere weise wiedererlangen kann?" Die Frau antwortete: „Ich würde ihm raten, seinen willen mit Ehrerbietung denr göttlichen zu unterwerfen und den Verlust mit Geduld und Mäßigung zu tragen, weil Gottes Wille kein warum duldet und allezeit ein guter und gnädiger Wille ist." Da brach der Bauer in Thräneu aus und rief: „Ach, liebes Weib, der HErr gebe Dir jetzt dieselbe Gnade I Wir beiden sind ihrer hochbedürftig." hierauf erzählte er, was sich in beider Abwesenheit zugetragen hatte. Nun brach die sonst glaubensstarke Frau zuerst wohl zusammen, aber ihr Gottvertrauen kämpfte sich dann durch den furchtbaren Schmerz durch. — was der Vater will, muß den Kindern gefallen. Je früher wir uns unter Gottes Hand demütigen, desto eher wird es uns möglich, die auferlegte Last zu tragen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.