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Dibre Emeth · 1896-01-01 · 2 (1896) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
52 (1896)
Issue
2 (1896)
Date
1896-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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\6 Jur Marnung für Wiöetkritiker. von einem jungen Naturforscher wird folgendes Stücklein berichtet. Er sah in einem Barbierladen eine Eule auf ihrem Stock sitzen. In der Annahme, daß es eine ausgestopfte sei, hatte er an derselben sehr viel auszusetzen. Er behauptete: „Der Vogel ist falsch vom Schnabel bis zum Schweif. Nicht Eine natürliche Leder ist an ihm." plötzlich rührte sich die Eule, deren Erscheinung nach dem Urteil des Sachverständigen allen Naturgesetzen hohnsprach, stieg ernst und schwerfällig von ihrer Stange, ging langsam auf und ab und betrachtete ihren Kritiker, was für ein Gesicht der junge Gelehrte bei dieser Widerlegung seiner Behauptungen gemacht hat, kann sich jeder denken. — Manche Männer und Jünglinge der Wissenschaft behandeln das Buch der Bücher wie eine ausgestopfte und beim Ausstopfen völlig mißlungene Eule. Nehmt Euch in acht, Ihr stolzen Bibelkritiker, vor dem angeblich verunglückten Menschenwerk! Die Bibel ist Gottes Wort und läßt ihrer nicht spotten. Jüdische ßhronik. Dem deutschen Reichstag wurden nach seiner Wiedereröffnung abermals die antisemitischen Anträge auf Einschränkung des jüdischen Elements der Bevölkerung zugestellt. — Aus Gumbinnen wird berichtet, daß ein dortiger, sittlich verkommener Jude seinen Anteil an der zukünftigen Welt an einen russischen Juden für 50 Mk. verkauft habe. Der Käufer, welcher sich den Abschluß des Kaufes bescheinigen ließ, ist seither gestorben. — Die israelit. Gemeinde zu Rendsburg feierte ihr 200jähriges Bestehen. — Das von einem verband von 36 jüd. Gemeinden Westfalens angenommene Gebetbuch von Dr. Vogelstein wurde von Altgläubigen scharf angegriffen. Der Verbandsausschuß verteidigte es in einem Flugblatt. Hier heißt es: „wir wünschen keine Rückkehr nach Jerusalem, keine Wiederherstellung des Opferkultus, was wir aber nicht wünschen, das soll auch nicht irr unserem Gebete zum Ausdruck kommen." — Am 20. Oktober hielt die antisemitische deutsch-soziale Reformpartei in Erfurt ihren ersten Parteitag ab. — Die in Leipzig erschienene Zeitlinsche Bibliotlieca Hebr. Post-Mendelssolmiana verzeichnet nahezu 2000, hauptsächlich in Osteuropa heimische Schriftsteller, welche sich seit dem Auftreten Mendelssohns bis ^890 der hebräischen Sprache bedient haben. — In Wien wurde Dr. Lueger wiederum znm Bürgermeister gewählt, aber vom Kaiser nicht bestätigt. Als er auch bei der Wiederholung der Wahl die erforderlichen Stimmen erhielt, wurde der Gemeinderat abermals aufgelöst. — Das ungarische Magnatenhaus gestattete mit *20 gegen U3 Stimmen den Übertritt zum Iudentu,n. Die liberale Kirchenpolik hat also gesiegt. — In Synagogen Londons und anderer Orte traten als Laienprediger 3 begabte junge Männer auf: Llaude Montefiore, Isr. Abrahams und Oswald Simon. Die beiden ersten veröffentlichten gemeinsam einen Baud Predigten (Aspect of Judaism). Auch Simon gab eine Sammlung seiner Reden heraus (Faitli & Ex* perience). — Die amerikanische Rabbinerversammlnng, die *895 in Rochester stattfand, faßte folgenden Beschluß: „Das nachbiblische und patriftische Schrifttum unseres Volkes (Talmud mit Kommentaren, Schulchan Aruch u. s. w.) hat für uns nur den wert und die Autorität historischer Litteratur und ist nicht auch in Fragen der Religion und der Ethik für uns endgiltige Autorität." — Aus Australien wird der A. Z. d. I. geschrieben: „In religiösen Fragen richten wir uns nach dem Chiefrabbi Dr. Adler in London. Unsere aus England stammenden Glaubensgenossen glauben an ihn wie die Katholiken an den Papst. Mein Wunsch geht dahin, daß unsere Brüder ihm dauernd treu anhängen." Auf mehrere Anfragen nach einem beim Taufunterricht gebildeter Israeliten zu benutzenden Leitfaden erlaubt sich der Herausgeber zu erwidern, daß fid? hierfür sein Buck) ^KeZula fidei" (G. Böhme, Leipzig, Pr. Mk. j,8o) eignen dürfie. Dasselbe enthält *2 Vorträge über das Apostolikum, in welchen auf jüdische Bedenken und Einwände gegen den christlichen Glauben beständig Rücksicht genommen wird. Herausgeber: Prediger w. Becker, Friedenau-Berlin, Hauffstraße ^3. Verlag: Goßnersche Missionsbuchhandlung, Friedenau-Berlin. Iahrespreis: 80 Pf. Drutf von 3- Mindolff, Berlin S.W., Lharlottenstraße 88.

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