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Dibre Emeth · 1896-01-01 · 2 (1896) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
52 (1896)
Issue
2 (1896)
Date
1896-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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nicht zustimmt, das Judentum müsse missionieren oder demissionieren. Dr. S. findet im Judentum den „geläuterten Theismus" und erwartet, daß dieser einmal über alle andern Religionen siegen und das messianische Reich auf Erden gründen werde. Schon jetzt scheint ihn: das Lhristentum, wenigstens der liberale Protestantismus, ins Judentum einzumünden. „In England und Amerika ist der Theismus, also im Grunde das Judentum, die Religion der Gebildeten." Israel liegt es ob, diese Richtung zum Theismus zu befördern und deshalb den Materialismus zu bekämpfen. Das Hauptmittel der Mission ist die Presse, während das mündliche Mort als öffentliche Rede wohl nur in einigen großen Städten dem Missionszweck dienen kann. Die Anstellung von Missionaren befürwortet S. nicht. Melcher Übertreibung sich der jüdische Gelehrte schuldig macht, indem er die gebildeten Engländer und Amerikaner für seine Religion in Anspruch nimmt, braucht nicht näher dargelegt zu werden. Für den Bestand der von ihm geforderten Mission muß man fürchten, da, wie er selbst erzählt, von der Thätigkeit des vor etwa 20 Jahren gestifteten Londoner Vereins zur Ausbreitung des Judentums unter den Völkern seither nichts bekannt geworden ist. Es muß in diesem Stück auf jüdischer Seite doch wohl eine Impotenz vorliegen. Moher sollte auch ein Israelit die innere Araft zur Missionsarbeit erlangen? Den Ehristen dringt die Liebe Lhristi (2. Aor. 5, \4). Inden: er seinem Heilande lebt, brechen an dem Baum seines Lebens überall Blüten aus, welche der heilandslosen Menschheit zugute kommen. Er glaubt, darum redet, handelt und duldet er mit Freuden, und so treibt er Mission. Dr. S. ahnt, daß seinem Volk ein solcher Enthusiasmus jetzt noch abgeht. Er begnügt sich daher schließlich mit der Forderung der inneren Mission. Israel soll nach ihm zunächst in seiner eigenen Mitte die Tugenden befestigen, für welche es der Menschheit Muster und Vorbild sein will. Aber auch so kann es nur dann recht missionieren, wenn es gelernt hat, die Tugenden im Ehristenglauben darzureichen (2. Petri \, 5). In diesem Glauben, dem echten, lebensvollen Theismus, wurzelt alles wahrhaft Gute. Jie Nsakmen in der Kirche. Es gab eine Zeit, wo die Psalmen nicht nur in allen Gotteshäusern Tag für Tag vorgelesen, sondern auch so allgemein gesungen wurden, daß jeder aus dem Volk sie auswendig wußte, auch wenn er keinen Buchstaben lesen konnte. Kein Bischof würde jemand ordiniert haben, der ,,David" nicht durch und durch kannte. Kirchenversammlungen beschlossen sogar, daß niemand ein geistliches Amt bekleiden dürfe, der nicht den ganzen Psalter auswendig wisse. Damals sang, wie Hieronymus berichtet, der Bauer ein L^allelujah, während er den Pflug lenkte. Der müde Schnitter erquickte sich an den Psalmen. Der Weingärtner stimmte eins von Davids Liedern an. während er die Beben mit seiner krippe beschnitt. hätten die Christen bessere Volkslieder haben können? In diesen heiligen Hymnen finden wir bcu Ausdruck der mannigfaltigsten Empfindungen. Sie passen für die Kindheit wie für das hohe Alter. Sie statten uns mit Grundsätzen für den Eintritt ins Leben aus und dienen als Losungswort an den Thoren des Todes. In den Kampf des Lebens und in die Buhe des Sabbaths, in die Nachtwache am Krankenbett und in das gastliche Ziminer des Dauses, in die Kirche, ins Gebetkämmerlein, ja, in den Fimmel

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