Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 52 (1896)
- Issue
- 2 (1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2555048-2555050--09550-2565718- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Von den Stürme«, die damals über ihn, den von Natur zurückhaltenden, öffentliches Aufsehen womöglich vermeidenden Mann, ergingen, und von den: festen £)dt, der ihn vor den: Zusammensturz bewahrte, zeugt sein vor mir liegendes Schreiben vom 9. November J888. „Alles Irdische," heißt es hier, „jeder menschliche Einfluß konnte mich nicht eine handbreit von der in meinem Kerzen tiefgefaßten Liebe zum Heiland abbringen. Was ich durchgemacht, was ich gelitten, wie der furchtbare Strudel mich erfaßt: die Feder ist nicht imstande, es niederzuschreiben. Doch das Vertrauen und die Liebe zu dem, der so viel gelitten und auch mich gewißlich an sein gutes Herz schließt, sie haben mich gestählt. Der Glaube hat mir beigestanden, als alles um mich herum fallen wollte, als die Nacht des Schrecklichsten mich erfassen wollte. Alles, alles ist nun mit Gottes Hilfe vorüber." Obwohl er offen, „vor seinen Mitbürgern, das Haus des Predigers, der ihn auf den Übertritt vorbereitete, „besucht und auch sonst trotz jener ihm angeborenen Scheu vor der Öffentlichkeit seine Sinnesänderung bezeugt hatte, freute es ihn, daß sich die Zeitungen feiner nicht bemächtigt hatten. „Denn ich will still wirken," schrieb er, „voll Gottvertraucn, in der Liebe zu meinem guten Heiland." Was den Übertritt besonders erschwert hatte, war der von seiner Frau ihm bereitete Widerstand. Aber auch in dieser Beziehung erfuhr er Gottes Hilfe. Er konnte mir berichten: „Mit meiner guten Frau lebe ich in Einigkeit, Liebe und Frieden. Die Zeit wird alle Vorurteile auch bei ihr gewiß beseitigen. So wird denn mit Gottes Hilfe alles gut werden. Meine Kinder, welche mir der Allmächtige erhalten möge, will ich im festen Glauben an Christum heranziehen." Im Sommer Wl sah ich den Sohn Abrahams wieder, der mit Recht von sich sagen durfte, daß er den Bann mutig gebrochen und mit Hintansetzung aller irdischen Rücksichten den Sieg errungen habe. Er wohnte einem Missionsgottesdienst bei, den ich an seinem Wohnort abhielt, und hieß mich nachher im Kreise seiner Familie willkommen. Als ich weiterreiste, begleitete er mich auf den Bahnhof. Bei dieser gemeinsamen Wanderung bekundete er durch Überreichung einer Geldsumme sein Interesse an der Verbreitung der Dibre Emeth. Als wir uns voneinander verabschiedeten, ahnte wohl keiner von uns beiden, daß wir uns zum letztenmal sahen. Ehrlich bemüht, in den Fußtapfen des Erlösers zu wandeln, benutzte er gerne das Hauptmittel zur Stärkung seines Glaubens: das Wort Gottes. Er war nicht nur ein ziemlich regelmäßiger Kirchgänger, sondern auch Mitglied eines ev. Männer- und Iünglingsvereins. Aber Gottes Weisheit zeigte ihm noch ein anderes wichtiges Mittel zur Ausbildung des christlichen Charakters: die Trübsal. And der neue Christ unterwarf sich auch in diesem Stück den: Willen des Höchsten. Mitte MS starb seine Gattin, die zwar bis zuletzt dem Judentum angehört, aber gewiß nicht umsonst jahrelang unter christlichem Einfluß gestanden hatte. Anfang Dezember s89^ befiel unfern Freund selbst die Influenza. Die Krankheit nahm bald einen schlimmen Verlauf: schon nach wenigen Tagen, am 7. Dezember, fiel