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Dibre Emeth · 1896-01-01 · 1 (1896) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
52 (1896)
Issue
1 (1896)
Date
1896-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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6 gegen die Unterwerfung unter eine höhere Macht. Dazu kommt, daß eine falsche Freundin den heiligen Funken, der in ihr zu erglühen begonnen hat, heimlich und leise wiederauslöscht. Als sie trotzdem den bedeutsamen Schritt thun und, von der Liebe hingerissen, das Opfer des Verstandes bringen will, wird dasselbe nicht angenommen. Sie, die das Glück nur sich selbst verdanken, die das Geschick regieren und ihr Leben selbständig ordnen will, kann sich keine Gegenliebe erringen. Aus dem Munde des Geliebten muß sie die Anklage hören, daß sie das höchste zu eitlem Spiel gemißbraucht habe. „Nicht aus irdischen Beweggründen," ruft er ihr zu, „darf geschehen, was das Ewige zum Ziele hat. N)er die Wahrheit suchen will, darf nichts anderes erstreben. Es würde auch nichts nützen. Denn wenn die Seele nicht von der Wahrheit durchdrungen, nicht überzeugt ist, dann wird sie selbst in kürzester Frist gegen die schwer drückende Fessel sich sträuben." Nach der tiefen Niederlage, welche die stolze Jüdin erlitten hat, bricht sie völlig mit der Vergangenheit. Ihre Blicke werden auf Paris gelenkt, und bald siedelt sie dorthin über. Die Weltstadt an der Seine bietet Daniellas hochfahrendem Geist neuen Anlaß zu seiner Bethätigung. Sie schmiedet Pläne zur Erneuerung der Menschheit und schließt sich der Umsturzpartei an. Noch einmal klopft Christus an ihr Herz. Ein Brief des ehemaligen Lehrers, der ihr einst den guten Rat gab, Gott mit ps. \3, 3 um Licht und Wahrheit zu bitten, sucht sie zum Licht der Wahrheit zurückzuführen. Rother redet von der hohen Bedeutung der Sache für Zeit und Ewigkeit. Er erinnert daran, daß der, welcher den Strahl der Gnade zurückweist, in doppelter Finsternis bleibt. Später lernt Daniella christliche Wohlthätigkeitsanstalten kennen. Nicht nur Worte, sondern Thatsachen sprechen zu ihrem Kerzen und fangen an, sie zu beeinstussen. Aber ihre Unfähigkeit, die Dinge sachlich zu beurteilen, treibt sie doch wieder auf die andere Seite hinüber. Als ihr Vater gestorben ist, wendet sie die ihr zugefallenen Millionen dazu an, die Revolution vorzubereiten. Einer der bösen Dämonen, die sie umgeben, ist ein jüdischer Arzt: I)r. Josephson. Sein Wort: „Im Blut muß die Welt sich neu gestalten" wird noch mehr als im deutsch-französischen Kriege während der Aommuneherrschaft von s87s vor Daniellas Augen schaurige Wahrheit. Rother, der in Paris in einen Orden eingetreten ist, wird mit andern Gefangenen auf Iosephfons Befehl erschossen. Das Rettungswerk der Frau, die an den schrecklichen Ereignissen so viel Schuld hat, mißlingt. Infolgedessen wird ihr Geist, der nur an die eigene Kraft glauben wollte, umnachtet. Nur Ein Seufzer kommt immer wieder über die Lippen der Unglücklichen. Leise flüstert sie unablässig die früher verachteten Worte demütiger Selbsterkenntnis und schwerer Selbstanklage: „Neu. culpa, mea culpa, mea maxima culpa!“ Wir verlassen sie als eine völlig Gebrochene, aber, und hierdurch wird der erschütternde Eindruck gemildert, zugleich als eine unter den Flügeln christlicher Liebe Geborgene und als einen Gegenstand christlicher Fürbitte. Ein Lichtstrahl fällt in die Nacht hinein. „Gottes Barmherzigkeit ist über alles groß," lautet der letzte Satz des Buches.

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