Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 52 (1896)
- Issue
- 1 (1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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5 sich bereit finden läßt, mit ihr zu musizieren. Durch die Erzählungen des Aunstgenoffen erhält sie auch einen Einblick in ein christliches Familienleben, wird aber hierdurch nur zu dem Wunsch angeregt, sich eine vielseitige Bildung zu erwerben. Die christlichen Lehren vermögen sie nicht zu fesseln. Einmal macht die einfache Weise des „Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa“ im Ronfiteor der Wesse einen tiefen Eindruck auf sie. Als sie aber eine Erklärung der Worte hört, mißfallen ihr dieselben. Daß das Bekenntniß der Schuld, der Ohnmacht zur Sühne, welches das Geschöpf dem Schöpfer ablegt, und die Anrufung der göttlichen Gnade der Anfang zur Verehrung und Anbetung Gottes ist, leuchtet ihr nicht ein. Das Schuldbekenntnis kommt ihr wie eine Feigheit vor. „Daß ich Schuld habe, werde ich nie sagen," ruft das leidenschaftliche Mädchen, dessen Element die Flammenglut, dessen Losung das Wort ist: „Ich kann, was ich will, und ich thue auch, was ich will." Im Jahr J866 finden wir die beiden jungen Leute in Berlin wieder. Daniella, zur Jungfrau erblüht, hat bereits ein hohes Ziel erreicht und ihre Ausbildung vollendet. Aber ihr Ehrgeiz strebt noch weiter, und hierbei muß ihr der Freund behilflich sein. Rother ist jetzt ein Zögling des Konservatoriums. Dankbarkeit, „dies schöne Erbteil der semitischen Rasse," und Liebe haben ihm eine Freistelle an der Anstalt verschafft. Auch Daniellas Vater, der es nie verstand, die Zuneigung seiner Tochter zu erringen, muß ihr zu Willen sein. Das Haus des Bankiers wird von außen und innen verschönert und der Sammelpunkt zahlreicher Aünstler und Kunstfreunde. Daniella ist die Sonne, um die sich alle diese Sterne drehen. Der Hausherr wird von den Gästen, die seine Salons 'füllen und seinen Thampagner trinken, kaum beachtet, wenn er von Zeit zu Zeit, etwas steif auftretend, mit einer gewissen Wichtigkeit die Gesellschaft durchschreitet. Die erzielten Erfolge bestärken die junge Jüdin in ihrem kühlen Selbstvertrauen, einer Frucht der Anbetung der eigenen Geisteskraft. Ihrer Stahlnatur, die jede Herausforderung annimmt, entspricht ihre Stimme, die bei allem Wohllaut scharf ist wie der Rlang einer Stahlglocke. Auch ihre Vorliebe für die rote Farbe offenbart ihr Inneres. Als der Arieg von J866 ausbricht, regt derselbe ihre Thatkraft mächtig an. Sie beteiligt sich eifrig an den Arbeiten des Roten Areuzes. Aber ihre Bemühungen um die Opfer des Arieges sind nicht selbstlos: sie wünscht Aufsehen zu machen, von den Leuten gerühmt zu werden. An das Ende der stürmischen Ariegszeit fällt eine Wendung im innern und äußern Leben der Bankierstochter. Wir begegnen ihr abermals in der Domgaffe der alten Stadt, in welcher ihr Großvater wohnt. Sie tritt hier auf die Schwelle der Religion, von der sie bekennt, daß sie die schönsten und reichsten Gedanken enthalte, die ihr je vorgekommen seien. Von Rother, der in der Heimat als Rekrut dient, erbittet sie weitere Unterweisung. Widerstrebend geht er auf ihren Wunsch ein. Er sucht ihr fortan eine Brücke vom alten zum neuen Bund zu bauen. Aber während der Lehrer ihr immer teurer wird, sträubt sich ihr Geist gegen die festen Schranken der Lehre,