Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 52 (1896)
- Issue
- 1 (1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3 Zeit, dessen Blätter nicht verwelken, oder vielmehr (das ist das unvergleichlich schöne Bild, welches David hier anwendet) wie ein wolkenloser, lebenweckender Frühlingsmorgen nach einer regnerischen Nacht. Jeder, der einmal einen solchen Morgen im heiligen Lande erlebt hat, weiß, wie da der Sonnenglanz wahre Wunder wirkt, wie da das Gras aus dem feuchten Boden fast zusehends hervorwächst. Den letzten Worten des zweiten israelitischen Aönigs entspricht die Erscheinung Jesu. Dieser Davidssohn hat die Weltgeschichte in 2 Hälften geteilt und sein Szepter über die Menschheit ausgestreckt. Wie sein Ahnherr voraussah, herrschte er auf Erden in unbedingtem Gehorsam gegen den Ewigen. Sein Herrscherstab, der Trost der Demütigen, der Schrecken der Hoffärtigen, diente nur der Förderung der Gerechtigkeit. Sein Herrscherthron erhob sich auf den Bergen Galiläas, und Tausende umringten ihn. Sein Fürstenstuhl stand einmal auch auf dem Hügel Judäas, den man Schädelstätte nannte, und da drängten sich nur wenige von seinen Getreuen an ihn heran. Aber gerade als der Gekreuzigte vollbrachte Jesus die größte Aönigsthat: da opferte sich der Fürst für die Unterthanen, der Gerechte für die Ungerechten. Dies Wirken in der Menschheit blieb nicht ohne Wirkung. Im Morgenglanz der Ewigkeit, der in ihm aufging, schwand vielfach, d. h. wenn man sich nicht absichtlich die Augen verschloß, die Nacht der Sünden- und Todesmacht. Die verdorrten Gebeine rauschten. Die Menschheit feierte eine Auferstehung. Das Iammerthal wurde eine zum Himmel führende Freudenbahn. „Die grüne Aue", meint ein persischer Dichter, „erzählt dir eine Geschichte aus dem Paradiese." Ach, sie zeugt vor allem von der Vergänglichkeit der Erdengüter I Dagegen erzählt die Airche, die Schöpfung Jesu, daß des Paradieses Thor wieder aufgethan sei, daß der Cherub sein Flammenschwert bei Seite gethan und mit dem palmzweig vertauscht habe, den er Jesu zu Füßen legt. Und Palmen nimm auch Du, mein Freund, in Deine Händel Komm und laß uns zusammen mit frohem Hosianna den begrüßen, der aus dem Tode neues Leben hat hervorwachsen lassen! Der Schluß der Testamentsworte Davids klingt wie ein Amen des Glaubens, wie eine feierliche Versiegelung des Vorangegangenen. Es ist dem Sterbenden, als sehe er Menschen, welche ihm die hohe Ehre, die Gott ihm zugedacht hat, mißgönnen. Aber er trotzt ihren Einwänden. Er schlägt ihre Fragen mit Gegenfragen zu Boden: „Ist nicht also mein Haus bei Gott? Denn einen ewigen Bund hat er mir gesetzt, einen in jedem Stück geordneten und bewahrten. Denn all mein Heil und alles Verlangen, wird er sie nicht hervorsprossen lassen?" David läßt sich nicht irre machen in der Gewißheit, daß Gott seine Verheißungen erfüllen, und daß der Messias als Davidssohn erscheinen werde. Das Zukunftsbild des königlichen Greises ist längst zur Wirklichkeitgeworden, aber noch immer wird der Widerspruch gegen dasHallelujah und Hosianna der Gläubigen laut. Die Geschichte der Airche bestätigt ihre Lehre, aber trotzdem bekämpft man das Evangelium als eine Täuschung, als einen Traum. „Es wäre herrlich," sagt man vielleicht,