Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 51 (1895)
- Issue
- 12 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2555061-2555073--09533-2565700- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
93 alle diese Weissagungen in ihm herrlich erfüllt worden sind. Leine Verwerfung durch unser Volk zeugt ebensowenig gegen ihn, als die Verwerfung Jeremias beweist, daß er ein falscher Prophet war. Auch Elia wurde verworfen. Baalspriester waren damals die offiziellen Lehrer und Leiter des Volkes. Aber war Elia deshalb im Unrecht oder ein Betrüger?" Die beiden Verteidiger des Judentums erkannten endlich, daß sie nicht imstande waren, die Jünglinge an der Ausführung ihres Vorhabens zu verhindern. Am Juli d. I. empfingen die letzteren die Taufe durch ihren Lehrer, welcher bei dieser Gelegenheit über Rom. sO,s predigte. Einige Gegner der Mission in Bristol kauften sich das N. C., um es zu widerlegen. Vielleicht wird aber der eine oder andere durch dies heilige Buch widerlegt. In AsmoLais Gewalt. Der jüdischen Sage zufolge übte der weise König Salomo eine Herrschaft über die Geisterwelt aus. Der Fürst der letzteren, Asmodai, verschaffte ihm den kleinen Schamirwurm, mittelst dessen Salomo die härtesten Steine spalten konnte. Einmal aber, so erzählt man uns, geriet der König in die Gewalt Asmodais. Dieser nahm ihm alle seine Herrlichkeit und versetzte ihn in ein fernes, fremdes Land. Hier irrte Salomo als ein Gegenstand allgemeiner Verachtung, im besten Fall mitleidigen Bedauerns, umher. Seine Behauptung, daß er der König von Jerusalem sei, wurde von niemand geglaubt. In einem Gerichtssaal, den er besuchte, unterredeten sich die Ältesten der Stadt über Salomos weise Richtersprüche. Als aber dieser in die Mitte der Richter trat und ihnen zurief: „Ich bin der Mann, dessen Rechtsentscheidungen ihr rühmt," da wurde ihm die Antwort zu teil: „Narr, störe uns nicht!" Vergeblich suchte er sein Recht zu verteidigen. Zwei Diener packten ihn endlich am Arm und führten ihn aus dem Gerichtssaal hinaus. Der entthronte König begab sich sodann in ein Lehrhaus. Er hörte mit Freuden, wie hier seine Sprüche dem Unterricht zu Grunde gelegt wurden. Aber als er nun den Gelehrten, die Salomos tiefe Einsicht bewunderten, erklärte: „Ich bin der Verfasser dieser Sprüche," da eilte man ihm nicht mit Ehrerbietung entgegen, wie er gehofft hatte, sondern auch hier wurde er als ein Geisteskranker behandelt. Man bedauerte den fremden Mann, und die Arzte, die sich im Lehrhause befanden, boten ihm Heilmittel dar. Nicht besser ging es dem Könige in einem Weinhause, aus welchem ihm der Gesang von Liedern, die er gedichtet hatte, entgegengeklungen war. Beim Betreten des Hauses begrüßte ihn das Hohngelächter der Sänger. „Da kommt der Wahnsinnige," schrieen sie, „der sich König Salomo nennt!" Von den Menschen verstoßen, hungrig und durstig, todmüde und der Verzweiflung nahe, ließ sich Salomo außerhalb der Stadt auf einem Felsabhang nieder und weinte bitterlich. Der Unglückliche wußte jetzt, daß die Weisheit des Armen verachtet ist. Aber sein Elend sollte nur eine Zeitlang währen. Zuletzt gab ihn Asmodai wieder frei, und Salomo kehrte in sein Reich und auf seinen Thron zurück.