Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 51 (1895)
- Issue
- 12 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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92 sie nun in sein Hans ein, in welchem gerade ein gelehrter Rabbiner ju Gast war. Hier entspann sich folgende Unterredung. „Warum wollt Ihr Euch taufen lassen?" fragte der Rabbiner. Die Antwort lautete: „Wir glauben, daß Jesus der Messias und der Heiland der Sünder ist. Überzeugt davon, daß wir von Natur verloren sind, sind wir zu ihm gekommen und wollen, seinem Befehl gehorsam, ihn in der Taufe bekennen." „Welcher Unsinn!" rief der Rabbiner. „Ihr braucht keinen Heiland. Ihr seid Abrahams Söhne. Wenn Ihr Euer Gesetz haltet, werdet Ihr zum Heil gelangen." Die beiden erwiderten: „Wir können das Gesetz nicht halten. Niemand vermag seine Forderungen zu befriedigen. Daher stehen wir unter dem Fluch. Aber Gott hat unser aller Nkissethaten auf den Messias gelegt." Der Rabbiner sagte: „Ihr wandelt auf dem Weg zur Hölle und folgt der Stimme des Satans. Wißt Ihr, wer dieser Jesus ist?" „Ja," gaben die Jünglinge zur Antwort. „Er ist der Gesalbte des Gottes Jakobs, Israels Erlöser. Lin Fluch ruht auf unserm Volk, weil es ihn verworfen hat." „Lästert nicht!" unterbrach sie hier der Synagogendiener. „Dies ist ein jüdisches Haus, in welchem Gott verehrt wird." Sie erklärten: „Wir haben unseres Wissens nichts gesagt, was als Lästerung bezeichnet werden kann. Aber wir können unser Licht nicht unter den Scheffel stellen. Wenn das Bekenntnis unseres Glaubens Sie verletzt, so thut uns das sehr leid, und wir müssen gehen." „Ich betrachte es als eine Sünde," sagte der Synagogendiener, „wenn man den Gekreuzigten zugleich mit Gott nennt." „Gott und sein Gesetz," fuhr jetzt der Rabbiner fort, „sind unveränderlich. Aber Euer Jesus suchte das Gesetz zu ändern." Die jungen Männer gaben bereitwillig zu, daß Gott unveränderlich sei. „Er war von Anfang an ein dreieiniges Wesen. Aber sein Gesetz, ausgenommen das Sittengesetz, unterliegt der Veränderung. Gott erwählte anfangs die Erstgeborenen als seine Diener. Später ließ er die Leviten an ihre Stelle treten. Endlich wandelte er das Priestertum um, indem er den Messias zu einem Priester nach der Ordnung Melchisedeks machte. Durch Ieremia versprach er Israel die Stiftung eines neuen Bundes,. nachdem das Volk den alten gebrochen hatte." Der Rabbiner, der schon vorher den Heiland gelästert hatte, wußte sich zunächst nicht anders zu helfen, als indem er wieder eine Flut von Schmähungen über den Namen ausgoß, der allein imstande ist, uns die Himmelsthür zu öffnen. Dann bat er die Jünglinge inständigst, Juden zu bleiben. „Seid Ihr denn weiser", fragte er, „als unsere großen Männer und unsere Rabbiner, welche die Ansprüche Jesu verworfen haben?" Sie erwiderten: „Wir hören ganz gewiß nicht auf, Juden zu sein, wenn wir die christliche Religion annehmen. Wir werden vielmehr so erst rechte, wahre Juden. Auch behaupten wir nicht, weiser zu sein als unsere Rabbiner. Aber als einfache, ungelehrte Leute lieben wir es, uns an das einfache, klare Wort Gottes zu halten." Hierauf verwiesen sie auf eine Anzahl messianischer Stellen und baten den Rabbiner um ihre Auslegung. „Wir glauben an Iesum," sagten sie, „weil wir deutlich sehen, daß