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Dibre Emeth · 1895-01-01 · 10 (1895) · page 7

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Journal
Dibre Emeth
Volume
51 (1895)
Issue
10 (1895)
Date
1895-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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79 er sich uns vor allem in seinem eingebornen Lohne, der allein in alle seine Geheimnisse eingeweiht ist, anschaulich zu erkennen giebt! Als Gottes Schüler könnt Ihr den Euch anvertrauten Ambern die Augen für seine Herrlichkeit erschließen und ihnen sein Wesen, Licht, Leben, Liebe, zugänglich machen. Zu Kioö 23, 1fr—17. Als Student war Lessing, wie er einmal dem Schriftsteller Fr. Heinr. Jakobi erzählte, mit einem jungen Mann bekannt, welcher sich durch seinen Leichtsinn an Leib und Seele zu Grunde richtete, vergeblich suchte Lessing ihn zur Besinnung zu bringen: der Jüngling war schon zu tief gesunken. Schon wollte der treue Freund ihn sich selbst überlassen, da trat eine plötzliche Wendung ein. Lines Morgens erschien der so oft Gewarnte ganz verstört in Lessings Zimmer nud erzählte ihm einen Traum, den er, von einem Trinkgelage zurückgekehrt, in der Nacht zuvor gehabt hatte. Lr sagte: „Mir träumte/ daß mein Hund Bello an meinem Bette saß und zu predigen anfing. Seine Predigt enthielt ungefähr dasselbe, was Du, lieber Lessing, mir schon so oft gesagt hast, nur mit andern Ausdrücken und in einer weit kraftvolleren Sprache. Seine Worte schienen den Propheten entlehnt zu sein. Die Rede des Fundes rührte mich tief. Ich bin überzeugt, daß ich im Schlafe darüber geweint habe. Der Hund schloß seine Ermahnungen mit einer furchtbaren Drohung, wenn ich meinen bisherigen Lebenswandel fortsetze, soll ich in sechs Monaten eine Leiche sein. Endlich sagte er: „Damit Du siehst, daß ich nicht aus mir selbst spreche, sondern daß mich ein höherer gesandt hat, so schlage in Deiner Bibel Jeremia j auf! Dort findest Du im 9. Verse die Beglaubigung meiner Sendung/' Ich erwachte mit Entsetzen. Ich glaubte, meinen Hund noch vor mir stehen zu sehen, aber er lag zu den Füßen meines Bettes und schlief. Mein erstes Geschäft war, ans meinen Büchern die Bibel hervorzusuchen, ein Geschenk meiner guten, seligen Mutter, das ich auf die Universität mitgenommen, aber seither nie benutzt hatte. Ich schlug die bezeichnete Stelle auf und fand folgende Worte: „Und der HErr reckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in Deinen Mund." Denke Dir mein Entsetzen beim Lesen dieser Zeilen! Ich warf meinen Rock über und eilte zu Dir. Ich frage Dich: was sagst Du zu dieser Geschichte?" Lessing antwortete: „Dein oft beschwigtigtes Gewissen ist aufgewacht, während der Leib schlief, und hat Dir das gesagt, was Du im Traum aus dein Munde des sprachlosen Tieres zu hören glaubtest, hierbei ist Dir eine längst vergessene Bibelstelle ins Gedächtnis gekommen, welches im Schlaf oft stärker ist als in: wachen Zustande. Diese Mahnung ist allerdings auch eine göttliche Stimme. Nimin alle Kraft zusammen, um ihr zu folgen, damit Du dem verderben entrinnst!" Der junge Mann faßte die besten Vorsätze und führte sie auch eine Zeitlang aus. Aber später zogen die alten Kameraden ihn wieder an sich. Er ,nutzte ihnen den Traum erzählen, der ihn. wie sie sagten, zu einem Kopfhänger gemacht hatte. Zwar verging ihnen während seines Berichts das Lachen: die predigt des Fundes strafte auch ihr Gewissen, hierauf aber bewogen sie den wiedergewonnenen Genossen, den Hund als einen falschen Propheten töten zu lassen. Mit einem Steine beschwert, wurde das treue Tier in einen Teich geworfen. Ein leises Stöhnet!, ein schmerzlicher Blick nach seinem Herrn — dann sank es unter. Dies Stöhnen nnb dieser Blick des Hundes verfolgten den Jüngling fortan auf Schritt und Tritt, im Wachen und Schlafen, im Taumel des wüsten Lebens, welches er jetzt wieder führte, und von welchem Lessing ihn nicht zurückhalten konnte. 6 Monate nach dem oben erzählten Traum raffte ihn ein hitziges Fieber hinweg. Zn Itöm. 13, 14a. Ein König von Frankreich wurde einst schwerkrank. Da sagten ihm seine Ärzte, wenn er das Hemd eines wahrhaft glücklichen Menschen anziehe, werde er wieder gesund werden. Nun wurden Boten ausgesandt, 11m eitlen Glücklichen zu suchen. Latlge konnten sie keinen finden, der nichts zu klagen gehabt hätte. Endlich stießen sie anf einen Hirtenknaben, der ein heiteres Lied fang, während er seine Herde weidete,

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