Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 51 (1895)
- Issue
- 10 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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78 Anschaulichkeit im Religionsunterricht. Im Juni d. Z. tagte in Erfurt der Verein israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands. Der erste Vortrag behandelte den Zugendgottesdienst. Der Redner, Dr. Salzberger, bezeichnet diesen als ein praktisches hilfsmiitel für öeri theoretischen Religionsunterricht und meinte, man müsse ein solches Mittel um so freudiger begrüßen, als es für den Religionslehrer recht schwer sei, so anschaulich zu reden wie etwa der Lehrer der Naturkunde. An demselben Tage, an welchem wir das Protokoll jener Erfurter Ronferenz in einer jüdischen Zeitung lasen, fanden wir in einer christlichen einen Aufsatz, welcher nachwies, wie leicht es sei, den christlichen Religionsunterricht anschaulich zu machen. Die Zugend läßt sich, wie dort dargelegt wurde, weniger durch Lehren als durch Personen bilden. Der Unterricht soll darum vor allem eine Berührung von Person zu Person anstreben. Nun sind wir in der glücklichen Lage, unfern Schülern Persönlichkeiten vorzuführen, die tief auf sie einwirken können. Wir haben eigentlich nur die Leitungsdrähte herzustellen, auf denen der elektrische Funke echter Frömmigkeit aus ihren Kerzen in die Rinderherzen überspringen kann. Der erste Platz gebührt der Person des Heilandes, des Gottes- und Menschensohnes, der den Tod überwindet und ewiges Leben schenkt, in dem die Liebe ihre erhabenste Ausprägung unter den Menschen erhalten hat. Von der Verwunderung über das Geheimnis dieser Person sind die Rinder zur Bewunderung und Anbetung derselben überzuleiten. An zweiter Stelle stehen die übrigen frommen Gestalten des Neuen u«d des Alten Testaments. Petrus und Paulus, die durch Iesum zu neuem Leben erweckt sind, suchen wie wir bei ihm allein heil und Seligkeit. Gegenüber der geringen Selbsterkenntnis der Rinder erhebt sich das Zeugnis des Zakobus: „Wir fehlen alle mannigfaltiglich", oder das des Johannes: „So wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst." Daß Ehristus der einige Trost im Leben und Sterben ist, veranschaulicht z. B. Apg. \6, 22—25. Bei dieser Erzählung spürt man die Wahrheit des Triumphgesanges Röm. 8, 35. 37. Auch manche Gestalten der Rirchengeschichte können in den Rinderherzen die Sehnsucht wecken: „£>, daß wir würden wie sie!" Man denke an Luther, der auf die Frage des Rardinals Tajetan: „Wo willst Du bleiben, wenn wir Dich in den Bann thun?" die Antwort gab: „Unter dem Fimmel oder im Fimmel!" und der während der schweren Zeit des Reichstags von Speier das Lied sang: „Ein' feste Burg ist unser Gott." Ein Vorbild des Gottvertrauens ist ferner A. f}. Francke, der Mann, der täglich für Hunderte zu sorgen hatte und doch nie sorgenvoll war. Von der Heiligkeit des zweiten Sakraments erhalten die Schüler einen tiefen Eindruck, wenn sie hören, wie Talvin mit eigener Lebensgefahr dasselbe vor Entweihung schützte. Ihr Männer in Israel, die Ihr berufen seid, die Jugend zu bilden, nehmet selber zuerst den Anschauungsunterricht dankbar an, den der Gott der Offenbarungsgeschichte uns erteilt! Bedenket, daß