Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1895-01-01 · 10 (1895) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
51 (1895)
Issue
10 (1895)
Date
1895-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2554541-2555061-2555071--09512-2565677
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

am Feste mit Wasser aus der Siloahquelle zu vermischen. Dies geschah zur Erinnerung an die Felsen der Wüste, aus denen Mose Wasser fließen ließ, und zugleich in der Erwartung des mesfianischen Heils (nach 3ef. \2, 3; §3, 20; 3; Hes. <*7, s8; Joel 3, (; Sach. 8). Wichtiger als die Beschäftigung mit der Geschichte des Festes ist ein Blick in seine Zukunft. Hesekiel, der Prophet, den Gregor von Nazianz den wundervollsten und erhabensten von allen nannte, weissagt, daß das Laubhüttenfest neben dem passafest auch in der Vollendungszeit Israels, in dem für das Ende seiner Geschichte verheißenen goldenen Zeitalter, bestehen bleiben werde, während Pfingsten und Versöhnungstag in Wegfall kommen (q.5, 25). Nach Sacharia werden die vom letzten Gericht nicht getroffenen Völker alljährlich nach Jerusalem hinaufziehen, uni das Laubhüttenfest mitzufeiern (vi \6). Es ist eine völlig erneuerte Welt, in welche die Propheten uns hier einführen. Die Menschen, die ihr angehören, sind mit Gott und mit einander versöhnt. Jetzt giebt es nur ein kleines Häuflein von Frominen. Jetzt trägt die Mehrzahl den Stempel der Gottentfremdung. Gräuliche Dinge ereignen sich allerorten, und verheerende Strafen müssen darum von Gott immer wieder verhängt werden. Einst aber wird der Ewige König sein über alle Lande. Willig oder widerwillig wird man ihn als den einen wahren Gott allgemein anerkennen. Es wird keine Abgötterei mehr geben. Die Gerechtigkeit wird über die Sünde triuniphieren. Jetzt ist die Menschenliebe ein seltenes Kleinod, das nur wenige schmückt und durch sie nur wenige andere beglückt. Wie oft ist es uns als Teilnehmern an, gewissen Volksversammlungen zu Mute, als stünden wir vor der Öffnung eines feuerspeienden Berges! Und auch sonst schlagen uns oft genug die Flammen des Haffes entgegen. Das soll anders werden. Die Liebe soll über ihr Gegenteil triumphieren. Es soll ihr ermöglicht werden, nicht nur in engen Grenzen, sondern in reichem, vollem Maß sich zu bethätigen. Und so wird das Laubhüttenfest „der Zukunft in doppeltem Sinne ein Siegesfest sein. Es wird der Überwindung der Sünde und so auch des Haffes gellen. Während andere Propheten von dem zukünftigen seligen Friedenszustand im allgemeinen reden (Ies. 2, ss; $, 25 ff.; Dan. 2 und 7), bringen die alten Talmudweisen die Schilderung desselben vielleicht mit dem Laubhüttenfest in Verbindung. Gott wird, so lehren sie, den Leviathan töten und aus seiner Haut den Gerechten eine Friedenshütte errichten. Der Leviathan ist nach moderner rabbinischer Erklärung zunächst ein Bild der egyptischen Gewaltherrschaft, stellt aber dann überhaupt die menschliche Roheit und Grausamkeit dar. Einst werden es die Menschen nicht mehr nötig haben, sich vor einander in verschlossenen und verriegelten Häusern zu schützen: eine allengeineinsame leichte Hütte wird ihnen genügen. Alle bilden dann eilt Volk von Brüdern. Welche Brücke führt aber aus der Vergangenheit und Gegenwart in die Zukunft? Wie und wann wird das Weissagungsbild zur Wirklichkeit werden?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.