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Dibre Emeth · 1895-01-01 · 9 (1895) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
51 (1895)
Issue
9 (1895)
Date
1895-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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A Zu Kot. 1, 12 ff. Am Sterbebett seiner Tochter sitzt in stiller Mitternacht ein betagter Arzt. Seine Gattin ruht schon lange im Grabe: jetzt soll er das Vermächtnis der Entschlafenen, das einzige Rind, hingeben. Plötzlich ertönt die Hausglocke. Lin Arbeiter begehrt für seine Frau, die Mutter von fünf Rindern, dringend des Arztes Hilfe. „Vater, geh'!" flüstert das sterbende Mädchen. „Bitte, Vater, geh'!" Und der betrübte Vater kann dem liebevollen Blick und der letzten Bitte seiner Tochter nicht widerstehen und verläßt dieselbe, um seinen ärztlichen Beruf auszuüben. Als er zurückkehrt, ist das geliebte Rind eine Leiche. Da bricht er in tiefem Schmerz zusammen. Nach wenigen Wochen trägt man auch ihn auf den Gottesacker hinaus. Line großartige Leichenfeier findet zu Lhren des hochverdienten Mannes statt. Nach ihrer Beendigung erscheint eine blasse Frau mit fünf Rindern am Grabe, faltet die Hände und blickt aufwärts, während jedes Rind einen Strauß Feldblumen niederlegt. „Sie haben wohl auch den Herrn Doktor gekannt?" fragt der Totengräber. Die Frau antwortet: ,,Lr hat diesen Rindern die Mutter gerettet." — Noch ist die Dankbarkeit gegen menschliche wohlthäter nicht völlig ausgestorben. Aber wie viele gewinnen es über sich, gegen den undankbar zu sein, der an uns unendlich viel mehr gethan hat als der beste Mensch! Zu 1. SeLri 1, 17. was kann der fürchten, dessen Seligkeit gesichert ist? Diese so fest begründete Sicherheit kann ihm ja nichts mehr, selbst die Sünde nicht, entreißen. — Dies ist wahr, aber ebenso wahr ist es, daß es ohne Furcht vor der Sünde keine wahre Sicherheit giebt. Ohne diese Furcht ist es nur die falsche Sicherheit und Sorglosigkeit eines ungeheiligten Geistes, und nicht die Sicherheit des Glaubens. Die Sünden eines Gläubigen können denselben — wenn auch nicht seiner Seligkeit, deren er gewiß ist, — doch auf eine Zeitlang des Trostes dieser Sicherheit berauben und der Augst eines schuldbewußten Gewissens preisgeben. Niemand wird sich dem Zufall eines Sturzes aussehen wollen, der ihn ein Glied kosten könnte, auch wenn sein Leben nicht Gefahr liefe und er von seinen Wunden völlig geheilt werden sollte. Lr wird vielmehr aus Furcht vor den Schmerzen mit großer Vorsicht den gefährlichen Weg gehen und sich ängstlich vor dein Falle hüten. (Leighton.) Kind bk Lehren der Mikes ein überwundener Standpunkt? Lin ungläubiger englischer Graf besuchte die Fidschi-Inseln und machte hier die Bekanntschaft eines alten Häuptlings, welcher Christ geworden war. „Ls ist wirklich schade," sagte er zu diesem, „daß Ihr so dumm geivesen seid, den Missionaren Gehör zu schenken, heutzutage glaubt niemand mehr an das alte Buch, das man die Bibel nennt. Man kennt dergleichen jetzt besser." Bei diesen Worten des Engländers blitzten die Augen des Häuptlings. Er antwortete: „Seht Ihr jenen großen Stein? hier zerschmetterten wir einst die Häupter unserer Schlachtopfer. Seht Ihr jenen Ofen? hier brieten wir die Menschenleiber für unsere große,: Feste. Guter Freund! wären die braven Missionare nicht zu uns gekommen, hätten sie uns das alte Buch nicht gebracht und die große Liebe Jesu Christi nicht verkündigt, die uns wilde in Gottes Rinder verwandelt hat, wahrlich, Ihr würdet diesen Platz nie wieder lebendig verlassen! Ihr habt Gott für das Evangelium zu danken. Ohne dasselbe würden wir Luch töten, in diesem Ofen braten und uns Luer Fleisch herrlich schmecken lassen." — O, Ihr Thoren, die Ihr das Buch der Bücher schmäht und seine Lehren für einen überwundenen Standpunkt erklärt! Ihr gleichet dem Manne, welcher den Ast abschneidet, auf dem er sitzt, und welcher deshalb Gefahr läuft, in die Tiefe zu stürzen und zu zerschellen. Ihr seid wie die Rinder, welche mit Feuer spielen und hierdurch das Haus, in dem sie wohnen, anzünden können, haltet ein mit Eurem uuverstäudigen Thun! Erkennet, daß Gottes Wort einen unendlichen wert für die Menschheit im ganzen wie für jede einzelne Seele hat!

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