Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 51 (1895)
- Issue
- 9 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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70 Apostel hier sagt, tritt nicht plötzlich und unerwartet in den Zusammenhang seiner Rede ein. Er hat es schon vorher gesagt in dem Wort von der Fülle (Vs. 12) und Annahme Israels (15), sowie im Bild vom Wiedereinpfropfen (2<0. Hier macht er es nur zum Gegenstand ausdrücklicher Belehrung, teils aus pädagogischen Gründen gegenüber den heidnischen Christen (25), teils um feine Belehrung über die Frage, welche das Thema der ganzen Erörterung von Aap. 9—ff bildet, abzuschließen. Gemäß der Heilsbotschaft, welche zu den Heiden übergegangen ist, ist Gott ihnen feind, gemäß der Erwählung Israels in seinen Vätern aber sind sie Gottgeliebte, denn Gott nimmt, was er einmal zugedacht hat, nicht zurück . . Es gilt von der gesamten zweiteiligen Menschheit Ungehorsam, von Gott aber gegen die gesamte Menschheit Erbarmen. Dies also behält den Lieg am Ende der Geschichte und weiß sich durchzusetzen auch unter dem Widerstreben der Menschen . ." — Als eine Wirkung der Bekehrung Israels sieht Luthardt „die leibliche Lebendigmachung der geistlich begnadeten Welt" an. Er urteilt, daß der Ausdruck „Leben aus Toten" (Vs. f5), welcher wegen der Analogie mit „Versöhnung einer Welt" nicht etwas, was sich mit Israel begiebt, sondern einen weiteren Schritt in der Geschichte des Reiches Gottes bezeichnet, nicht auf geistliche Neubelebung gehe, da diese mit „Versöhnung" zusammenfiele und von einer Erstorbenheit der Christenheit hier nicht die Rede sei. Der bestrafte Überläufer. Unter Friedrich dem Großen lebte in Berlin ein jüdischer Petschaftstecher, Salomon Bücher mit Namen. Derselbe lieferte auch Modelle zu Münzen. Einmal ließ ihn der Rönig zu sich kommen, bezeugte ihm seine Zufriedenheit und erlaubte dem bereits Siebenzigjährigen, sich eine Gnade auszubitten. Bücher ersuchte nun um eine Anstellung bei der königlichen Münze. Aber diesen Wunsch wollte der Aönig nicht erfüllen. „Ja, wenn Er ein Christ wäre", sagte Friedrich II., „dann ließe sich darüber sprechen." Nach 4, Wochen erschien Bücher wieder vor seinem Landesherrn und meldete, daß er „zur Christenheit übergegangen" sei, weil der Aönig versprochen habe, ihn: ein Amt zu geben, wenn er Christ geworden sei. Da sagte Friedrich zornig: „Melde Er sich bei unserm Stallmeister als Vorläufer!" Bestürzt machte Bücher sein hohes Alter geltend. Aber der Aönig erklärte: „Wenn Er in Wochen überlaufen konnte zum Christentum, dann wird Er auch Araft genug haben, vor meinem Wagen herzulaufen. Wir haben nie von solchen Menschen etwas gehalten, die ihren Glauben wechseln wie einen Rock." Die heilige Schrift lehrt: „Was nicht aus dem Glauben geht, das ist Sünde." Wie sehr man „sich freuen darf, wenn ein Israelit mit ehrlichem Gewissen und voller Überzeugung von der Wahrheit des neuen Bundes Christ wird, so sehr ist jeder aus weltlichen Beweggründen erfolgende Übertritt zu beklagen. „Was einer nicht mit innerer Gewissenszuversicht thun kann, soll er lassen: sonst trägt er ein Gericht davon."