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Dibre Emeth · 1895-01-01 · 9 (1895) · page 3

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Journal
Dibre Emeth
Volume
51 (1895)
Issue
9 (1895)
Date
1895-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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67 Ewigen kommen. Prüfen wir hiernach Israels gegenwärtige Iom- Aippur-Feier I Der Versöhnungstag hat heutzutage ein ganz anderes Aussehen als vor alters. Wohl wird noch jetzt eine reumütige und bußfertige Gesinnung, die sich in Beten und Fasten kundgiebt, als die unerläßliche Vorbedingung für die Erlangung der Sündenvergebung angesehen. Aber den Gehorsam gegen die in den Urkunden des alten Bundes enthaltenen sonstigen Anordnungen betreffs des JO. Tischri hält man nicht mehr für erforderlich. Die Mosaische Gesetzgebung verlangte die Darbringung von Opfern durch Priesterhände. Bei einem gewöhnlichen Sündopser gab nur die pünktliche Beobachtung aller aus dasselbe bezüglichen Vorschriften eine Bürgschaft für die Erreichung des erstrebten Ziels. Wenn der Sünder feine Hände auf das Haupt des Opfertieres gelegt und feine Sünden über demselben bekannt, wenn hieraus der Priester das Tier geschlachtet und das Blut desselben vergossen hatte, dann brachten diese Handlungen dem strafwürdigen Menschen die ersehnte Erlösung. Und so konnte man auch am Iom- Aippur nur dann der vollzogenen Entsündigung froh werden, wenn sich das Volk vor seinem Heiligtum eingesunden, wenn der Hohepriester draußen geopfert und drinnen das Opferblut aus und vor den Gnadenstuhl gesprengt hatte. Darf nun Israel sich dennoch der Hoffnung aus Gottes Gnade hingeben, obschon jetzt die im Gesetz vorgeschriebenen Opfer nicht mehr von Söhnen Aarons dargebracht werden und nur noch eine wunderliche Nachbildung derselben, die Schlachtung eines Hahns und einer Henne, übrig geblieben ist? Der Ehrist muß diese Hoffnung für eine trügerische halten. Ich höre hier den Einwand: „Wir sind garnicht mehr imstande, nach der Weise unserer Väter die Vergebung der Sünden zu suchen. Die Weltgeschichte hat gegen uns entschieden. Ihre eisernen Räder sind über die heilige Stadt gegangen und haben den Ort, wo Gottes Ehre wohnte, zermalmt." Ich gebe Euch, die Ihr so redet, recht. Ich gehe sogar noch weiter: Auch wenn Ihr noch die alten Bräuche befolgen könntet, dürstet Ihr's nicht. Die Erneuerung des Tempeldienstes in der Gegenwart wäre Gottes Willen nicht gemäß. Fragt Ihr mich jetzt: „Was hast Du denn an unserer heutigen Iom-Aippur-Feier auszusetzen, wenn Du selber zugiebst, daß die frühere Art der Begehung des Versöhnungstags nicht mehr zeitgemäß ist?" — so antworte ich: Für die Zeit, in welcher wir leben, hat Gott selbst neue Anordnungen getroffen. An sie sollen wir uns binden. Nur dann, wenn dies geschieht, sind wir sicher, daß der Ewige uns wegen unserer Fehltritte nicht verantwortlich machen wird. Von Euch aber, Ihr Rinder Israel, wird in diesem Stück der schuldige Gehorsam nicht geleistet. Das Alte Testament redet mehrfach von dem Aushören der alten Gottesverehrung (Hos. 3, Dan. 9, 27). An der Schwelle der neuen Zeit, in welcher der alte Bund mit Gott einem neuen weicht (Ier. 3s), steht eine geheimnisvolle Gestalt, ein Mann der Schmerzen, welcher sich selbst für die Menschheit dem Zorne Gottes überantwortet, der

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