Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 51 (1895)
- Issue
- 9 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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66 der Redaktion des „ILöveil" ein Weihnachtsgedicht zu. Hier schildert er zuerst den Abend, an welchem sich der Glanz des Fimmels auf die einsame Arippe zu Bethlehem niedersenkt und strahlende Engel die Geburt des Aönigs der Aönige betend erwarten. „Ihr Christen, hört Ihr's? Die Glocke schlägt Mitternacht. Der neue Tag ist ein Festtag: er sah einst den Christus zur Welt kommen, der Luch Verzeihung bringt. Ihr Christen, erhebet die Stimme und begrüßet Weihnachten!" Sodann läßt der Dichter das Aind, welches in den Armen seiner Mutter liegt, von der ganzen Natur mit Iubelruf besingen. Alles jauchzt ihm entgegen. Alle Geschöpfe stimmen den süßen Freudengesang an: „Ls ist Weihnachten, Weihnachten!" Zuletzt sagt Giavi, dies Rind sei gekommen, um Licht und Liebe zu bringen, um auf Golgatha den Schmerz zu heiligen und unsere Seele zu retten. „Welche Freude", ruft er aus, „welch' süßer Zauber umgiebt diese von Israel erwartete, leuchtende Wiege!" Lr schließt mit der Mahnung: „Gehet zu ihm, Ihr alle, die Ihr von der Hoffnung verlassen werdet! Strecket die Arme nach ihm aus und singet: „Weihnachten, Weihnachten!" Aber er konnte eben nur zum Gehen, nicht zum Aommen auffordern. Lr selbst hatte den Gang zu Jesu nicht gemacht. Giavi empfand den Zwiespalt in seinem Innern als eine Qual. „Ich kann mich der glücklichen Gleichgültigkeit nicht überlassen", schrieb er im August $93, „welche die Mehrzahl unserer Zeitgenossen einschläfert. Man kann sich mit niemand über diese innern Ängste unterreden. In diesem stumpfsinnigen und gewissenlosen zu Lnde gehenden Jahrhundert würde sie niemand verstehen." Ach, warum hast Du Bedauernswerter den aus dem Labyrinth führenden Weg nicht betreten, den die Nachfolger Christi Dir zeigten? Warum hast Du dem Erlöser nur Deine dichterischen Huldigungen, nicht aber ein zerknirschtes Herz und das Petrusbekenntnis dargebracht: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes?" Lr stand vor Deiner Thür und klopfte an. Lr bot Dir das Wasser des Lebens umsonst dar. Ach, hättest Du ihm doch die Thür weit aufgethan, ihn mit Freuden willkommen geheißen und den Durst Deiner Seele von ihm stillen lassen! Auch für den modernen Menschen giebt es nur Line Botschaft des Heils: das alte Evangelium. Der Jom-KiPPur ist ein Herold des Allerhöchsten, welcher in allen Landen den Ruf erschallen läßt: „Israel, gedenke deiner Sündenschulden und trachte darnach, daß sie getilgt werden!" Tausende folgen alljährlich dieser ernsten Mahnung. In den dichtgefüllten Synagogen wird allerorten die Bitte „Selachna!“ laut und äußert sich die heiße Sehnsucht nach der göttlichen Antwort auf das menschliche Flehen, nach der Gnadenversicherung „Salachti“. Wann aber darf man sich der Bedeckung oder Verzeihung der Sünden getrösten? Gott hat dieselbe an gewisse Bedingungen geknüpft. Nur wenn diese vonseiten des Menschen erfüllt werden, kann es wirklich zu einer Versöhnung mit dem