Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 51 (1895)
- Issue
- 9 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Monatsblatt für Israeliten und Freunde Israels. — 51. Jahrgang. — 1885 Inhakt: „Viktor Giavi. Der Jom-Kippur. — <2. Luthardt über Rom. JU. 25 ff. — Der bestrafte Überläufer. — Zu Kol. 1, 12 ff. — Zu 1. Petri 1, 17. — Sind die Lehren der Bibel etn über« wundener Standpunkt? — Jüdische Chronik. Viktor Giavi. Von dem am 10. Juni verstorbenen Großrabbiner von Bulgarien, Dr. M. Grünwald, urteilt eine jüdische Zeitschrift: „Sein Leben war ein „unaufhörliches Suchen und Streben." Dasselbe gilt von dem in der Überschrift genannten, am 2% März abgerufenen jüdischen Gelehrten und Dichter. Giavi wurde 18H9 zu Livorno geboren. Im Alter von % Jahren des Vaters beraubt, erhielt er durch feine Mutter eine gute Erziehung. In der Rabbinerschule seiner Geburtsstadt bereitete er „sich auf das Rabbinat vor. Aber der Mangel einer festen religiösen Überzeugung verhinderte ihn schließlich, sich diesem Berufe zu widmen. Er wurde 1869 Lehrer des hebräischen in Nizza. 1875 siedelte er nach Paris über. Später baute er sich ein Haus in Nanterre. hier starb er 1895 im Schoß seiner Familie an einem Rückenmarksleiden. Beim Nahen des Todes betete er auf hebräisch. Der Synagoge blieb er bis zuletzt herzlich ergeben, obwohl er bei ihr durch seinen Freimut oft Anstoß erregt hatte. Einen Einblick in sein Ringen nach Wahrheit und Klarheit gewähren die Mitteilungen eines seiner christlichen Freunde, des Herausgebers von „Le Keveil d’Israel.“ Nach (Siams eigenem Zeugnis dürstete seine Seele nach dem lebendigen Gott. Er schätzte die Bibel hoch. Aber noch höher stand ihm die Vernunft. Seine Reformgedanken entfernten sich weit von den Lehren der heiligen Schrift. Ünd so konnte er es auch trotz aller Hinneigung zu der Person Jesu nicht über sich gewinnen, ein demütiger Schüler des Heilands zu werden. Der Lhristenglaube, den er an andern als eine Kraft anerkannte und bewunderte, gelangte nur bis an die Schwelle seines innern Lebens. Er las das Leben Jesu und die Geschichte der Z ersten christlichen Jahrhunderte von Pressense. Von den Märtyrern der alten Kirche, mit denen er sich näher beschäftigte, machte besonders Ignatius von Antiochien einen tiefen Eindruck auf ihn. Die Worte dieses Mannes über die Geringfügigkeit des Opfers, welches man mit dem Verzicht auf irdische Güter darbringt, fanden in ihm einen lebhaften Widerhall. Aber weiter, in die geöffneten Arme des Vaters und des Sohnes, vermochte er ihm nicht zu folgen. Ende Dezember 189^. sandte er