Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 51 (1895)
- Issue
- 8 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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58 seine Leuchte über meinem Haupte schien und ich bei seinem Licht in Finsternis ging, wie ich war zur Zeit meiner Jugend, da Gottes Geheimnis über meiner Hütte war!" Ähnlich redet David (Pf. 5f, 8) von einer heimlichen Weisheit, die Gott ihm kundthut. Daß hier nicht von einem Vorrecht der Geistesaristokratie, sondern von einem Gemeingut des ganzen Volkes gesprochen wird, beweisen manche allgemeine Aussagen des A. T. „Das Geheimnis des HErrn ist unter denen, die ihn fürchten, und seinen Bund läßt er sie wissen", bekennt David (Pf. 25) und fast mit denselben Worten auch Salomo (Spr. 3). Noch deutlicher ist Moses Erklärung (5. M. 29, 29): „Das Geheimnis des HErrn, unseres Gottes, ist geoffenbart uns und unfern Aindern ewiglich, daß wir thun sollen alle Worte dieses Gesetzes." wenn daneben der Satz (Am. 3, 7) steht: „Der HErr HErr thut nichts, er offenbare denn sein Geheimnis den Propheten, seinen Anechten", so liegt ja das Zeugnis der Geschichte vor, daß die Propheten Lehrer der göttlichen Ratschlüsse, Offenbarer der göttlichen Geheimnisse, Aanäle für das dem ganzen Volk zugedachte Lebenswasser waren. Zwar wird Daniel einmal angewiesen, ein Gesicht geheimzuhalten (8, 26), und sin andermal soll er das Gehörte verbergen und versiegeln (\2, 9). Ebenso erhält Zesaia (6, 9 f.) den Auftrag, dem Volk das Verständnis für die Worte des Höchsten zu nehmen. Aber diese Ausnahmen sind in der erzieherischen Weisheit und in der richterlichen Gerechtigkeit Gottes begründet. während die edelsten Heiden vor dem Vorhang stehen bleiben mußten, welcher das Diesseits vom Jenseits, den Schein von der Wahrheit trennt, durfte also Israel in die Geistes- und Geisterwelt tief hinein schauen. Für dies Volk wurde der Vorhang je mehr und mehr entfernt. Gott gab ihm klare Antworten auf die wichtigsten Fragen des Herzens, weil Gottes Geheimnis über der Stiftshütte und dem Tempel, über den Zelten und Steinhäusern Israels war, erkannte es Gott als seinen Schöpfer, Gebieter, Hirten und Erlöser, weil seine Geschichte eine Aette von eigentlichen, besonderen Gottesoffenbarungen bildet, ist sie eine einzigartige. „Frage nach", ruft Mose (5. M. % 32), „ob je ein solch groß Ding geschehen sei, daß ein Volk Gottes Stimme gehört habe aus dem Feuer reden, wie du gehört hastl" Dem Volke des alten Bundes gebührt die Anerkennung, daß in seiner Geschichte, wie ein hervorragender christlicher Gelehrter, prof. Aöhler in Erlangen, sich ausdrückt, ein wundersames, ratschlußmäßiges göttliches walten und menschliche Freiheit in einander greifen, wie schmerzlich berührt es, wenn ein Israelit diese von Ändersgläubigen zugestandene würde seines Volkes leugnet, wenn er die demselben zuteil gewordenen Offenbarungen als bloße Meinungen betrachtet, die der menschliche Geist aus sich herausgesponnen habe! wie betrübend ist es, wenn die Ainder des Hauses selber den festen Halt im Leben und Sterben verschmähen und Fremden überlassen! Allerdings sollten noch andere Völker die dem auserwählten Volk geoffenbarten Geheimnisse, die Botschaft des Heils und die Forderung der Heiligkeit, kennen lernen. Auch die Heiden sollten zur Anbetung